Welche Krise? (1) Freibier kostet nichts
Kein Kommentar
1,271 views
Das Finanzamt gewinnt immer, wenigst dort sind die Jobs krisensicher. Diese alte Weisheit bewahrheitet sich auch bei der Abwrackprämie. Der Branchen-Meinungsbildner „auto, motor und sport“ rechnet in Ausgabe 7/2009 vor, dass der deutsche Staat durch die Prämie fast 500 Millionen Euro zusätzlich an Steuern einnimmt. Während die Abwrackprämie nur 1,5 Milliarden Euro kostet, belaufen sich die Mehrwertsteuer-Einnahmen durch rund 600.000 Pkw-Verkäufe auf etwa 1,2 Milliarden, dazu kommen noch rund 800 Millionen Gewerbesteuer-Einnahmen. Schon werden Forderungen nach einer Verlängerung der Abwrackprämie laut.
Die Tatsache, dass die Prämie als Kaufanreiz funktioniert, ist reine Psychologie: Geiz ist geil! Und Schnäppchen-Jagd eine echt deutsche Tugend. Käufer rechnen simpel: 2.500 Euro vom Staat, 2.500 Euro vom Hersteller und in vielen Fällen noch rund 1.000 Euro vom Händler, Wow, macht 6.000 Euro geschenkt. Wer da nicht zuschlägt, ist ja dumm. Mancher gibt sogar einen Altwagen in die Presse, der deutlich mehr als 2.500 Euro wert ist. Die prämiengesteuerten Spontan-Käufer übersehen, dass die rund 3.500 Euro von Hersteller und Händler nichts anderes sind als der übliche Rabatt in Krisenzeiten. Aber anscheinend ist das Kapital da und sitzt jetzt sogar locker. Händler berichten gegenüber unautodox, dass der durchschnittliche Barzahler-Anteil – sonst bei ca. 30 Prozent, während 70 Prozent finanzieren oder leasen – jetzt in Zeiten der Prämie auf rund 70 Prozent angestiegen ist. Armes Deutschland!
Ein VW-Verkäufer verhöhnt sogar hinter vorgehaltener Hand die schlangestehende Kundschaft: „Es ist wie bei der Eröffnung einer Gaststätte – bis 20.00 Uhr gibt es Freibier und alle kommen, nach 20.00 Uhr trinken alle das teure Bier weiter.“




