Formel 1: mit und ohne doppelten Boden in Shanghai
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Die Situation nach der Entscheidung des FIA-Berufungsgerichts, die den umstrittenen Doppeldiffusor letztinstanzlich für legal erklärt hat, ist facettenreich. Hätte nicht das Damoklesschwert im Nachhinein veränderter Ergebnisse über ihnen geschwebt, müsste man anerkennen, dass wir zwei tolle, vorkommnisreiche und spannende Rennen gesehen haben. Doch solange niemand wusste, ob der, der gewonnen hatte, auch wirklich gewonnnen hatte? Ab jetzt, mit dem Richterspruch, haben wir – wie lange? – klare Verhältnisse: Brawn-Mercedes, Toyota und Williams dürfen mit der Performance fahren, mit der sie schon bisher für ihre Verhältnisse Überdurchschnittliches geleistet haben. Die Übrigen dürfen – und wenn sie gewinnen wollen: müssen – in Sachen Doppeldiffusor nachbessern. Das kostet viel Zeit und Geld. Die einen aus dieser Gruppe werden mehr Zeit brauchen. Wie Red Bull, denen eine wegen spezieller Aufhängung umständliche Nachrüstung nachgesagt wird. Andere, wie McLaren-Mercedes und Renault, werden schon an diesem Wochenende in Shanghai mit neuen Konstruktionen erwartet. Wieder andere, wie Sauber BMW und Ferrari, dürften ab Beginn der Europasaison (Spanien, 10. Mai) mit „doppeltem Boden“ antreten. Bei BMW hatte man vor dem Saisonstart das Ziel klar formuliert: „Wir wollen mit um den WM-Titel kämpfen.“ Heute muss BMW Sportchef Dr. Theissen feststellen: „Es wird eine Weile dauern, bis wir bei der Entwicklung einer eigenen Unterbodenlösung das Ziel erreichen. Natürlich kann es passieren, dass bis dahin die WM entschieden ist.“ Das ist bitter und benachteiligt. Den Vorwurf, die technischen Möglichkeiten verschlafen oder – wie es RTL-Gastkommentator Ralf Schumacher elegant ausgedrückt hatte – das Reglement nicht „aggressiv genug interpretiert“ zu haben, lassen die betroffenen Teams nicht gelten. Man habe mehrfach in diese technische Richtung beim Weltverband angefragt – und sei abschlägig beschieden worden. Wir dürfen also weiter mit einer spannenden Saison rechnen und miterleben, wie die einzelnen Teams mit ihrer jeweiligen Situation umgehen. Erfrischend jedenfalls, wie Sebastian Vettel an die Sache herangeht: „Es gibt noch genug Rennen. Für uns gilt: Geht nicht – gibt’s nicht.“



