Formel 1: Stunde der Wahrheit in Barcelona
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Für einige wird der diesjährige Grand Prix von Spanien (10. Mai 2009) zur Stunde der Wahrheit. Sie treten mit sogenannten Ausbaustufen zum Beginn der europäischen Saison an, und alle warten gespannt darauf, ob sie so ihre Positionen in der bisherigen Hackordnung verbessern können. Die Ergebnisse der ersten vier Rennen lesen sich nämlich für nicht so Kundige eher befremdlich: Da dominieren Teams, deren Namen man bisher nicht oder als Formel-1-Rennstall kaum kannte – BrawnGP, Red Bull Racing und das bisher eher unauffällige Toyota-Team. Und andere, die seit Jahren, ja Jahrzehnten, zum Establishment gehören, tauchen „unter ferner liefen“ auf.
Was ist da los? Von Doppeldiffusoren als unerlaubtem Vorteil war anfangs die Rede und von KERS, dem neuen Bremsenergie-Rückgewinnungssystem als Nachteil. Die Sache mit den Diffusoren ist vom Tisch. Da ein derartiges Aerodynamik-System im Reglement nicht klar genug formuliert war, gingen einige Teams, darunter das neue, überraschend starke ehemalige Honda-Team mit Mercedes-Motoren (!) BrawnGP, das Risiko einer aggressiven Interpretation der technischen Regeln ein – und reüssierten damit. Ihr augenscheinlicher technischer Vorsprung durch die bessere Aerodynamik wurde gestattet. Diejenigen, die das Reglement „brav“ interpretiert hatten, standen wie die Dummen da. Und fuhren hinter den Mutigen her. Zum Thema KERS als Nachteil ist das letzte Wort der Erkenntnis noch nicht gesprochen.
Jetzt, in Barcelona, werden die meisten einen zweiten Start in die Saison probieren. Wer noch keinen hatte, mit Doppeldiffusor und weiteren technischen Feinheiten. Ein Neustart, bei dem es interessant sein wird, mitzuverfolgen, ob etwa Ferrari, McLaren und BMW den Abstand zur Spitze verändern. BMW beispielsweise kommt diesmal von weit hinten: Die konservative Reglements-Befolgung – also ohne den strittigen Diffusor – und die grundsätzliche Entscheidung für das Bremsenergie-Rückgewinnungssystem KERS (BrawnGP fährt prinzipiell ohne) sind zwei Gründe, warum das ehrgeizige Werksteam noch nicht in Schwung kam. Aber, wie hat schon mal ein renommierter Fußball-Trainer nach verlorenem Match gesagt: „Erst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu!“ Vielleicht hätte Kubica das Rennen in Australien gewonnen, wenn Senkrechtstarter Vettel besser aufgepasst und so die Jagd des Polen auf den führenden Button nicht vereitelt hätte. Vielleicht hätten beide BMW Piloten in Bahrain besser ausgesehen, wären sie sich nicht im Startgetümmel gegenseitig durchs Auto gefahren.
Stunde der Wahrheit also in Spanien für BMW. Aber nicht nur für die Bayern, denn auch Ferrari, McLaren Mercedes und Renault laufen ihrer Form noch hinterher. Viele Fragezeichen vor dem Rennen in Barcelona. Auf eines aber darf man getrost wetten. Das „Mercedes-Kundenteam“ BrawnGP dürfte abermals das Maß aller Dinge sein – wenn ihm die Renngötter nicht mit faulen Tricks ins Handwerk pfuschen.




