Alles Walzer – VW Polo Präsentation auf Sardinien: neues Auto und Konzern-Patriarch Piëch
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Der Wagen ist stramm und gut. Keine Frage. Die fünfte Generation des VW Polo, die fünftürige Version kommt Ende Juni auf die Straßen, ist von Design-Chef Walter de Silva zum sehr erwachsenen Kleinwagen gestaltet worden. Der sportlichere Dreitürer folgt im Herbst.
Sehr überraschend (oder eben nicht) trat bei der Präsentation des neuen Polo auf Sardinien neben Konzern-Chef Martin Winterkorn auch der oberste Aufsichtsrat Ferdinand Piëch samt Gattin Ursula im noblen Hotel Romazzino auf. Ein Hauch von Opernball wehte über die geleckte Hotelanlage am Strand nahe Olbia, als würden die Gäste dem stummen Aufruf „Alles Walzer“ folgen, drehte sich die Entourage im Dreivierteltakt um die Könige des Balls.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Neben den üblichen Medienvertretern aus der Autobranche gesellten sich schließlich eine ganze Reihe von Wirtschaftsjournalisten in die Schar der Claqueure, die nicht nur dem neuen Kompaktwagen huldigten. Piëch nutzte die Chance, ordentlich Watschen auszuteilen.
Der Erfolg von VW liege darin, dass der Konzern nicht von Kaufleuten, sondern von Ingenieuren geleitet werde. Was zweifellos auf den in Ungnade gefallenen Porsche-Chef Wiedeking zielte und von dem er im Folgenden nur als „er“ und „der“ sprach. Und nach seiner Meinung zu den Fiat-Plänen der Opel-Übernahme befragt, sagte Piëch: „Glauben Sie denn, wenn sich Fußkranke zusammenschließen, könnten sie morgen einen Marathon gewinnen?“ Dafür gab es dann gleich noch einen kleinen Kurs in Fertigungs-Effizienz: Im gesamten Konzern gäbe es zum Beispiel nur einen Kühlerverschluss und eine Radschraubenlänge für alle Modelle. Und die Aufwertung des Polo sei sinnvoll, er habe etwa die gleiche elektrohydraulische Lenkung wie der Golf, was die Stückzahl dieses Bauteils erhöhe und so den Preis senke. Das Ziel, so Piëch lobend, an einem Polo genauso viel zu verdienen wie an einem Golf, das habe der Ingenieur Winterkorn erreicht.

Machtdemonstration gegenüber Porsche: Ferdinand Piëch hält Hof und kritisiert Wendelin Wiedeking, Fiat und Opel in einem Aufwasch.
Deshalb, so die Interpretation der Gäste zum Kampf zwischen den beiden nun nahezu gleichwertigen Modellen, würde eine Kannibalisierung innerhalb der Modellpalette beinahe schon erwünscht.
Zu den Überraschungs-Besuchern auf Sardinien zählte außerdem Gesamt-Betriebsratschef Bernd Osterloh. Und der wurde nicht müde, seine Zustimmung zu Sonderschichten zu bekunden, die aufgrund der großen Nachfrage nach bestimmten VW-Modellen erforderlich seien. „Wir werden allem zustimmen, was hilft, die Kunden schnell beliefern zu können.“ Kommentar eines Beobachters: Ernst Thälmann hätte sich im Grab umgedreht.
Ach ja – der Polo. Er ist 3,95 Meter lang geworden, 3,5 Zentimeter hat er im Vergleich zur vorigen Generation zugelegt. 3,2 Zentimeter beträgt der Zuwachs in der Breite (1,68 Meter), die Höhe wurde um 1,3 Zentimeter auf 1,45 Meter zurechtgestutzt.
Es gibt zwei neue Motoren, einen 1,2-Liter-TSI mit 77 kW (105 PS) und drei Diesel mit jeweils 1,6 Liter Hubraum, die zwischen 55 und 77 kW (75 bis 105 PS) leisten. Für ausgewählte Versionen steht das 7-Gang-DSG bereit, der Diesel ist als BlueMotion-Ausgabe zu haben, die mit 3,3 Liter Treibstoff 100 Kilometer weit kommen soll. Die Preisliste beginnt mit 12.885 Euro für die 44 kW (60 PS) starke Benzinerversion.





