Jet-Set-Spielchen – wie die Lufthansa ihre besten Kunden umgarnt
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Thomas H. Althoff gibt sich persönlich die Ehre. Und der Vize-Chefpilot der Fluggesellschaft. Der Kabinenchef und Marketing-Oberst gleich dazu. Althoff ist ein Hotel-Sammler, zu dessen Kollektion nicht viele, aber dafür umso feinere Adressen gehören. Das Schlosshotel Bensberg, die Nobelherberge in Lerbach und jüngst das Seehotel Überfahrt am Tegernsee nennt er sein Eigen. Und das traumhaft gelegene Hotel Villa Belrose im mondänen St. Tropez an der Cote d’Azur, wo ein Überraschungsbesuch von Jean-Paul Belmondo kaum weniger überrascht als ein Dinner mit Jane Birkin oder Catherine Deneuve. An diesem schönen Ort also empfängt Althoff persönlich einen erlauchten Kreis, Gastgeber ist jedoch die Deutsche Lufthansa, die ihre besten Kunden und vielfliegendsten Jet-Setter hier mit einem Südfrankreich-Wochenende verwöhnt.
HON Circle nennen die Airliner diese Klientel. Der Status ist selten und mit allerlei Vorzügen beim Reisen mit der Lufthansa und ihren Partnern verbunden. In exklusiven Lounges, die sonst nur Gästen der First Class vorbehalten sind, sollen Champagner und Haute Cuisine die Wartezeit bis zum Abflug versüßen. Drinks in der Cigar-Lounge, ein Limousinen-Service vom Terminal zum Flugzeug und höchste Wartelisten-Prioriät sind weitere Bonbons, die den HONs gewährt werden. Den Status haben sich die meisten hart erflogen. 600.000 Meilen müssen sie innerhalb von zwei Jahren zurückgelegt haben, bevor das ebenso unscheinbare wie begehrte schwarze Kärtchen mit der Post nach Hause oder ins Büro kommt. Der Kreis ist tatsächlich exklusiv. Auf der ganzen Welt soll es knapp 2000 dieser Statuskunden geben, in Deutschland seien es nur sehr wenige 100, so die Gerüchte. Die LH gibt sich bedeckt, was die Auskünfte über ihren HON Circle angeht. Öffentlichkeit schätzen nur die wenigsten Mitglieder der Elite-Flieger.
Da ist der Aluminium-Händler, der zweimal in der Woche nach China oder Indien jettet, der Müllautohersteller, der seine Produkte ebenfalls ins Reich der Mitte liefert, aber auch der Banker, der sich seine Meilen schweißtreibend nicht auf der Langstrecke, sondern in Deutschland erflogen hat. Ein Beispiel: Frankfurt – Los Angeles bringt in der Business-Class samt Bonus rund 12.000 Meilen, Frankfurt – München dagegen nur 1800.
Die HONs in St. Tropez haben sich wirklich gefreut. Machen eine Tour durchs Hinterland in von Mercedes-Benz bereitgestellten Autos, lassen sich vom Sterne-Koch des Hotels verwöhnen und nicht zu sehr anmerken, dass sie die Sache goutieren. Zumal der eine oder andere in Zeiten der Wirtschaftsschwäche von der Business- in die Economy-Class umsteigen muss. Und da gibt es für einen innerdeutschen Flug im Spartarif eben mal 125 Meilen. Die Statusverlängerung rückt so für manchen in weite Ferne und er denkt wohl schon mit Grauen daran, wie es ist, nach dem Verfall der schwarzen Karte wieder mit herkömmlichen Fluggästen an Pass- oder Sicherheitskontrollen sich die Beine in den Bauch zu stehen. Und ohne ein Gläschen Schampus in der Hand.



