Immer im Kreis – immer quer: die wahre Lust am Spielzeug Auto
Ein Kommentar
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„Ja, ja, bleib drauf, kein Gas wegnehmen, mach alles mit der Lenkung und lass die Schultern locker“, so ruft der Instruktor ins Mikro, laut und etwas verzerrt tönt es aus der Handfunke auf der Mittelkonsole. Auf dem Beifahrersitz werde ich Zeuge, mit den Beinen drücke ich mich etwas in den Sitz, lasse die Hände betont entspannt auf den Oberschenkeln liegen und kann dem schweißtreibenden Kurbeln des Fahrers hier auf dem ADAC Fahrsicherheitszentrum Rhein-Erft zusehen.
Die gestellte Aufgabe ist ambitioniert, reifenmordend, aber in der Umsetzung nicht unmöglich, sie lautet: Fahre mit dem BMW 335i eine ganze 360-Grad-Runde auf der halbnassen Kreisbahn mit Leistungs-Überschuss an der Hinterachse möglichst konstant quer.
Die vorangegangenen Übungen waren einfacher, das steht fest. Zuerst ging’s auf der bewässerten Kreisbahn mit durchgehender Gleitfläche zum Kennenlernen des Autos immer rund. Der Grip auf der nassen Gleitfläche entspricht ungefähr einer frisch verschneiten, rutschigen Fahrbahn, also: Das Auto bricht früh aus oder zeigt zumindest früh und bei niedrigen Geschwindigkeiten seine Reaktionen.
Im Falle des 335i, der mit seinen 306 PS und dem BMW-typischen Hinterradantrieb die Haftgrenze schnell überschreiten kann, fallen die Reaktionen allerdings eher minimal aus. Sobald der Fahrer im zweiten Gang mehr Gas gibt, regelt das serienmäßige DSC (andere Hersteller nennen die Technik ESP) die Überschuss-Leistung herunter und gezielter Bremseneingriff an einzelnen Rädern stabilisiert das Auto ohne Zutun des Fahrers. Kein Drift, kein Querstehen, es bleibt bei einem ganz sanften Untersteuern (der Wagen schiebt minimal über die Vorderräder), und so fährt der 3er sicher und brav seine Runde auf dem rutschigen Untergrund. Manch ungeübter Fahrer wird diese elektronische Assistenz des Autos gar nicht bemerken und sich lediglich über das „sichere Fahrwerk“ freuen. Doch der BMW kann mehr, mit der DTC-Taste lässt sich das „hausfrauenfreundliche“ DSC auf einen moderaten Dynamik-Modus umschalten. Wenn der Fahrer nun mehr Gas gibt, als die Hinterachse in Vortrieb umwandeln kann, drehen tatsächlich die Hinterräder durch, aber nicht ungehemmt. Zwar bricht das Heck aus und der Fahrer darf und muss gegenlenken, aber die Elektronik hilft. Bevor der Wagen außer Kontrolle gerät oder sich völlig dreht (im Drifter-Volksmund „Dreher“), regelt der Computer:
Vollgas wird heruntergeregelt, einzelne Räder bremsen fast unmerklich, sprich: obwohl leicht quer, ist der Fahrzustand kontrolliert, eben teils fahrer-, teils elektronikkontrolliert. Wer’s nicht besser weiß, könnte von sich glauben: „Mensch, das kann ich aber schon gut“, und so driftet der Fahrer mit leichten Lenkausschlägen eine ganze Runde quer über die Gleitfläche der nassen Kreisbahn, alles im zweiten Gang bei recht überschaubaren Geschwindigkeiten.
Erst wer die DTC-Taste im 3er BMW mindestens drei Sekunden drückt, der fährt danach allein, ohne elektronische Hilfe à la DSC oder DTC. Nun ist die Elektronik abgeschaltet, der Wagen reagiert wie in der Zeit vor 1995, als es das von Mercedes und Bosch entwickelte ESP noch nicht gab.
Nun drehen die Hinterräder bei abruptem Gasgeben haltlos durch, schnelles Gegenlenken und die entsprechende Dosierung der Motorleistung ist gefragt. Jetzt trainiert der Fahrer wirklich sein Können, und es tönt wieder die Stimme aus der Handfunke: „Lenken, lenken, schneller … zu spät, Kupplung treten, bremsen und warten, das war ein Dreher, also andersrum und ein neuer Versuch.“ Zu den umstehenden Zuschauern raunt der Instruktor etwas verschmitzt: „Manche Fahrer denken Ge-gen-lenk-en sein ein chinesisches Reisgericht, aber früher oder später hat’s noch jeder bei mir gelernt.“
Zum Glück muss allerdings nicht jeder die Eingangs erwähnte Übung auf halbnassem Asphalt mit deutlich höherer Geschwindigkeit bestehen, da geht’s nämlich schon richtig zur Sache, siehe Video, und zwar reifenmordend.
Weitere Infos zum ADAC Fahrsicherheitszentrum Rhein-Erft: www.sicherheitstraining.de


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