Elektro-Prototyp E3 – Erfahrung sammeln zum Abkassieren
Ein Kommentar
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Energiekonzerne freuen sich auf künftige E-Autos als neue durstige Kunden. Bisweilen versuchen sie sogar, den Öko-Trend zu beschleunigen, Öko-Strom sei Dank.
Die Fakten: Der norddeutsche Energiekonzern EWE entwickelt zusammen mit Karmann das Elektroauto E3. Basis ist ein VW Cross-Polo. Angetrieben wird der Viertürer von einem wassergekühlten E-Motor mit 80 kW. Der Prototyp soll praxistauglich und komfortabel sein, Servolenkung und Klimaanlage sind an Bord. Der erste E3 zur Erprobung wird im Herbst fahrfertig sein, ein zweites Auto bis Jahresende. Der Bau von sechs E3 ist zwischen EWE und Karmann vereinbart. Möglicherweise werden es auch mehr, weil das Konzept so viele Interessenten auf den Plan ruft, sagt EWE.
Das Interview: Werner Brinker, Vorstandsvorsitzender von EWE, gelernter Bauingenieur und seit 30 Jahren in der Energiewirtschaft, also ein Gas-Wasser-Strom-Profi, meldet sich nun in der aktuellen Ausgabe (14/2009) von „auto, motor und sport“ im Interview zu Wort, dort, wo sonst Automobil-Manager ihre Visionen erläutern. Er erklärt den E3 zum Bestandteil einer Informations- und Kommunikationstechnik und möchte, dass das E-Auto mit dem Haus und dem Energieversorger kommuniziert. Automatische Ladezeiten-Regelung und Zwischenspeicher-Möglichkeiten sind die Schlagworte Brinkers, dabei rückt er E-Autos in die Nähe von Gefriertruhen und Kühlhäusern. Natürlich sind auch öffentliche Stromladestationen geplant. Schon mit dem Prototypen E3 sollen IT-Lösungen zur Abrechnung getestet werden. „Schließlich soll der entsprechende Netzbetreiber ja zu seinem Geld kommen“, so Brinker. Die Zukunftschancen des E-Autos kann Brinker jedoch nicht klar einschätzen: „Ob bis 2020 eine Million E-Autos auf der Straße sein werden, wage ich auch zu bezweifeln.“ Über die deutschen Verbraucher weiß Brinker: „Wir wollen mit 200 km/h über die Autobahn fahren und dabei 1000 Kilometer weit kommen. Das wird man aber mit Strom nicht schaffen, das ist völlig klar.“
unAUTOdox: Natürlich ist die Reduzierung des CO2-Ausstoßes ein wichtiges, vielleicht das wichtigste Thema des 21. Jahrhunderts. Aber: Gab es nicht schon mal Zeiten, in denen wir auf die Straße gingen, um gegen Ölmultis und Spritpreise zu protestieren? Fluchen wir nicht heute schon über die Quasi-Monopolisten im Energiemarkt? Tatsache ist, verlieren wir bei dem ganzen CO2-Gespare Grundsätze der Marktwirtschaft aus den Augen, werden möglicherweise die Energielieferanten und -hersteller dafür Sorge tragen, dass elektrisch gefahrene Kilometer teurer werden als heutige Benzin-/Diesel-Kilometer.



Man kann das allerdings auch so sehen: Das Anprangern der Raffgier der Energiekonzerne ist in sich schlüssig. Wir alle ärgern uns monatlich über die wucherischen Kosten für Gas, Strom etc.. Aber ich gebe zu bedenken: Wir leben in der freien Marktwirtschaft. Und ein business, das das Recht zuläßt, ist nun mal ok.
Ich will sagen, die Autoindustrie baut den alternativen Schnokus auch nicht aus reiner Menschen- und Umweltfreude. Sondern weil sie sieht, dass ihr mit fossilen Brennstoffen die sorgsam gehüteten Felle davon schwimmen. Weil Fossil irgendwann, ja aber sicher, und in absehbarer Zeit, zu Ende ist. Mehr noch aber, weil der Zeitgeist sich drehen wird und der Kunde Alterativ haben will. Die Autoindustrie will also auch auf der Öko-Welle Pofit machen und keiner verübelt ihr das. Warum sollten die Energie-Fritzen dann nicht auch ihren business case suchen und machen dürfen?