Eine Geschichte von Raum und Zeit
Ein Kommentar
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Der schmale Grat zwischen Werbung und Kunst – eine Reise durch Zeit und Raum.
Werbung funktioniert am besten, wenn sie Geschichten erzählt, dem Betrachter das beworbene Produkt nicht aggressiv aufdrängt, dieses nahezu unsichtbar macht. Die Reduktion eines Produkts auf seine reine Funktionalität tritt vollkommen in den Hintergrund. An Stelle dessen wird ein individuelles Lebensgefühl vermittelt, ein Moment, der sich aus der Synthese zwischen Mensch und Produkt ergibt. Und somit einen völlig neuen Raum schafft, den Blick auf eine neu erschaffene Welt freigibt. Hier bewegen wir uns dann schon im Bereich der Kunst. Wie so etwas aussehen kann, macht der Autobauer Aston Martin mit aston martin meets art gekonnt und äußerst professionell seit einigen Jahren vor.
Das Automobil, der Aston Martin, gilt Dr. Ulrich Bez als Ausdruck der Leidenschaften und des Lebens seines Besitzers. Das gilt auch für den Künstler in der Beziehung zu seinem Werk. So hat Aston Martin dieses Prinzip zum künstlerischen Leitmotiv erhoben und präsentiert die schönsten Stücke der Modellreihen aus der individuellen Sicht einiger der talentiertesten zeitgenössischen Kunstschaffenden. Diese reihen dann jeweils ein für sie besonderes Modell in einer schon vorhandenen Kulisse oder einer extra zu diesem Zweck geschaffenen Installation ein. Den Moment als Photographie bannt anschließend René Staud, der seines Zeichens in Leonberg einen der europaweit modernsten Produktionsparks für Industrie- und Werbephotographie betreibt. Mehr als 25 Jahre Erfahrung und spezialisierte Kompetenz im Bereich Automobil fließen in seine Photoarbeiten ein. Das Ergebnis ist im wahrsten Sinne des Wortes phantastisch. Ob eingeschlossen in gotischen
Kathedralen oder auf dem Dach eines Hochhauses, in wilder Fahrt durch raue Küstenlandschaften oder verhaftet in sehnsüchtigem Ruhen am Hafen, die Bilder offenbaren jedes für sich einen einzigartigen Stil, die Handschrift und die Emotionen, mit der die verschiedenen Künstler ihre Werke aufladen. Jedes Bild ist dabei einer Auseinandersetzung mit dem Objekt geschuldet, das in dem Moment seiner Stilisierung zum Kunstwerk der Träger eines ganzen Kosmos, eines ganzen Lebens selbst wird. Mit einer derart hochästhetischen Produktpräsentation ist der praktische Nutzen (Auto = Fahren, die Fortbewegung von Punkt a zu Punkt b) vollkommen unwichtig geworden. Kommuniziert wird ein rein auf das Ego reflektiertes Gefühl, und es ist nicht übertrieben zu behaupten, hier wird nicht ein Auto in einer Umgebung dargestellt, hier wird die Geschichte einer Liebesaffäre erzählt – mal dunkler, mal heller, aber immer einzigartig und persönlich.
Die Beziehung zu sich selbst, der Welt und der eigenen Perspektive auf selbige, davon erzählt auch Gregory Colbert in seiner Serie ashes and snow. Der Photograph, Kurzfilmer und Installationskünstler schafft in seinen Bildern eine unvergleichliche Ästhetik der Ruhe, der Beruhigung. Sanftmut, Einklang und die tiefe Beziehung zwischen Mensch und Welt und den in der Welt enthaltenen Dingen sind die durchgehenden Themen all seines Schaffens. Er stellt fortwährend eine zeitlose Suche dar, die Suche nach einer uralten, verlorenen Harmonie. Wenn man die Bilder betrachtet, eines, auf dem ein Raubvogel im Flug mit dem Ausläufer seiner Schwingen zärtlich ein junges Gesicht streichelt, ein anderes, das ein Kind neben einer gefährlichen Raubkatze sitzend zeigt, als wenn beide sich hier jeden Tag träfen und im stummen Gespräch miteinander verweilten, dann glaubt man kaum, dass dies nicht Photomontage sein soll. Ist es aber tatsächlich nicht: Die Bilder sind (Zeit-)Zeugen gelebter Momente. Sie weisen von einem Ausschnitt aus der Zeit auf das Unendliche. Was Colbert also auf einer tieferen Deutungsebene darstellt, ist die Zeit selbst. Nicht eine bestimmte, die vergangene oder zukünftige, die flüchtige oder nur allmählich verstreichende, nein, die Zeit selbst und das Sein in der Zeit, in der Ruhe zwischen Werden und Vergehen wird hier ausgestellt. Und darum ist es auch
wenig verwunderlich, dass das Rolex Institute als Produzent hinter den Werken des kanadischen Künstlers steht. Der Zusammenhang zum Produkt Uhr (in dessen primärer Funktion der Zeiterkennung) könnte offensichtlicher nicht sein, und doch ist dieses vollkommen aus der Kunst verschwunden. Auch handelt es sich hier nicht im Geringsten um Werbung. Die Photographie des Gregory Colbert ist eigenständig, unkompromittiert und frei, aber der schlichte Verweis auf Rolex schafft einen bedeutenden Mehrwert für das Unternehmen: Die Implikationen der Bilder (Harmonie, Einheit, Ruhe) übertragen sich automatisch und ohne dass dies explizit kommuniziert werden müsste auf das Produkt; einfach und tiefgründig zugleich, die vielleicht subtilste und genialste Form von Werbung überhaupt. Und was heißt das nun für uns? Eigentlich nichts, bis auf entspannt zurücklehnen, betrachten und genießen …


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