Bad Brands: Manager ohne Visionen machen das Auto zum Auslaufmodell
Kein Kommentar
1.400 views
Die Finanzwelt hat ihre Bad Banks. Wer sind die Bad Brands der Autobranche, Opel und Saab oder die noch gesunden, die weiter produzieren und sich nicht um die Zukunft scheren?
Die Zeiten sind schlecht für das Automobil. Nein, nicht nur wegen der aktuellen Marktschwäche. Vor allem, weil es keine Antworten gibt auf die Belange der Zukunft. Klar: Alle schwärmen vom Elektro-Wagen, der seine Energie aus der Steckdose oder der bordeigenen Brennstoffzelle bekommt. Das bietet nachhaltige Mobilität, individuelle, versteht sich, glauben die Unternehmens-Bosse. Aber es erschreckt, dass keiner eine Antwort hat auf die Frage nach der Zukunft. Denn Fakt ist, dass immer mehr Menschen in die Städte ziehen. Gerade im vorigen Jahr war der Break-Even-Point erreicht, jetzt leben zum ersten Mal in der Geschichte der Menschen mehr von ihnen in der Stadt als auf dem Land. Und in den Metropolen dieser Erde ist kaum etwas so überflüssig wie das Auto. Oder so unbezahlbar. Denn der Parkraum ist teuer, der Platz zum Fahren knapp, jeder öffentliche Nahverkehr funktioniert da besser, wenn denn in den U- oder S-Bahnen und den verpilzten Bussen irgendwann einmal Sauberkeit und Angstfreiheit einkehren wird.

Opel Ampera – künftiges Hybrid-Mobil als Hoffnung für die Marke, aber ohne Antwort auf die Urbanisierung der Welt
Also: Das Automobil ist ein Auslaufmodell. Zumindest in den Stückzahlen, deren Rückgang wir Menschen der Autobranche heute schon beklagen. Das dies erst der Anfang ist, wollen die meisten Beteiligten jedoch nicht wahrhaben. Kurzfristige Entlastung könnte das Vorbild der Finanzwirtschaft bringen. Dort gibt es bald Bad Banks, im Autogeschäft sei eine Bad Brand – eine schlechte Marke – vorgeschlagen. Da kämen dann Marken wie Opel, Seat, Saab oder Mitsubishi hinein und man ließe die Karre gepflegt an die Wand fahren. Eine Art Euro-NCAP-Test ohne Stern. Ende, Feierabend. Kurzfristig würde es den Markt entlasten, wir sprechen hier immerhin über die Überkapazitäten von rund zwei Millionen Fahrzeugen, die dann mit einem Schlag vom Tisch wären. Wie eine Menge Arbeitsplätze und viele Jahre schöner Automobil-Historie. Nein, das soll nicht ignorant klingen. Von einem in Rüsselsheim lebenden Menschen lässt sich wohl einschätzen, was das Ende von Opel für die Stadt und ihre Menschen bedeutete. Aber welche Visionen haben die Herren Forster und Demant oder ihre Kollegen, wenn es denn mit Magna und den Russen weitergeht? Im Grunde keine, sie denken an den Opel Ampera als Heilsbringer mit Elektroantrieb, wissen aber nicht, welche Mobilitätsbedürfnisse der Mensch der Zukunft überhaupt hat.
Gleich wen man fragt, den Herrn Winterkorn, Dr. Z oder den Stoiker Stadler: Alle bekommen runde Augen und zeigen Unverständnis, wenn man wissen möchte, was sie sich statt des Automobils als zukünftiges Geschäft für ihr Unternehmen vorstellen könnten. Was fehlt, ist die Vision. Damals, als das D-Netz den Kommunikationsmarkt revolutionierte, waren die Stahl-Manager von Mannesmann auf dem richtigen Weg, als sie erkannten, das die Geschäfte mit dem harten Metall nicht leichter werden und China oder Indien den Europäern gehörig in die Suppe spucken werden. Also investierten die Stahlkocher ins Telefonnetz und gründeten D2, die Konkurrenz zur Telekom. Solche Ideen stünden der Autobranche gut zu Gesicht. Denn wenn die aktuelle Sozio-geografische Entwicklung anhält, dann würden in vielleicht 25 Jahren fünf bis sechs Volumen-Marken ausreichen, um die Mobilitätsbedürfnisse der gesamten Welt zu befriedigen. Für alle anderen wär’s dann vorüber. Wobei – so viel Bad Brands könnte man wohl doch nicht gründen.


(1 votes) 