Teil 1 – Formel 1: Was ein Media-Staff beim Grand Prix so alles macht
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Gut Ding braucht Regeln – wer im Formel-1-Geschäft dabei sein will, muss eine Menge Regeln beherzigen. Das gilt nicht nur für Fahrer, Teams, Sponsoren und Manager. Auch das Media-Center, um den altmodischen Begriff „Pressestelle“ zu vermeiden, hat bis ins Detail fest umrissene Aufgaben. Ein Erfahrungsbericht in drei Teilen aus der Tiefe des Media-Staff vom Formel-1-Rennen des vergangenen Wochenendes.
Düpp düpp diiii! Dieser aufdringliche, synthetische Signalton wird uns in den nächsten vier Tagen auf dem Weg zu unserem Arbeitsplatz begrüßen und allabendlich verabschieden. Er tönt aus einer elektronisch gesteuerten Sperre, die passieren muss, wer Zugang zum Pressezentrum, zum Fahrerlager oder zu was auch immer im Nürburgring-Areal begehrt. Tönt der Apparat anders oder gar nicht, will jemand rein, wo er nicht rein darf. Anders ausgedrückt: An je mehr Pforten beim Herausstrecken deiner persönlichen Identitätskarte dieses düpp düpp diiii erklingt, desto wichtiger bist du. Das weiß das System. Diejenigen, die immer dabei sind, bekommen sicher bald einen Chip eingepflanzt. Denn das System an sich ist unübertrefflich – besser als jeder Security-Mensch, unbestechlich und undiskutierbar. Ohne gute Karte bist du hier ein Wurm.

Düpp düpp diiii. Der Signalton kündigt an, dass die elektronisch gesteuerte Sperre Ein- oder Auslaß gewährt.
Wir schreiben Donnerstag, den 9. Juli 2009, acht Uhr. Die Durchgangskontrolle ist scharfgeschaltet, der Große Preis von Deutschland am Nürburgring kann seinen Lauf nehmen. Die Formel-1-Teams sind längst komplett eingerichtet, Renntransporter und Hospitalities auf Hochglanz poliert, überall herrscht geschäftige Ruhe. Sämtliche Funktioner, die Truppen der Rennställe, der Organisatoren, der Sponsoren, der Security und was sonst noch so dazu gehört, sind formvollendet aufgestellt. Noch ist nicht ein einziges Rennauto zu hören, aber jeder ist an seinem Platz. So ähnlich wie: „Stell dir vor, es wäre Krieg, und keiner geht hin.“ Wenn aber einer von A nach B geht, und A und B liegen in unterschiedlichen Sektoren, dann macht es düpp düpp diiii. Und das immer häufiger, denn allmählich kommt Leben in die Bude.
Das düpp düpp diiii ist irgendwie bezeichnend für all das, was sich bei so einem Grand Prix abspielt. Alles ist bis ins Kleinste durchreglementiert. Was wann wie stattfindet, wer wann wo sein muss und was wie auszusehen hat: Ein minutiöser Zeitplan ist selbstverständlich – und nicht nur für den direkten Rennbetrieb. Wann je hätten die Ampeln den Start nicht auf die Sekunde pünktlich freigegeben? Wenn es richtig wichtige VIPs zu präsentieren gilt – es gibt mit Sicherheit jemanden, der zuverlässig die Verantwortung dafür ausübt, dass sie rechtzeitig an der richtigen Stelle in die Fernseh-Kameras strahlen.
Und wer sich wundert, dass an der Fassade des Towers große Flächen abgeklebt sind, der sollte erfahren: Dort prangt üblicherweise ein Logo, das mit einer Sponsorverpflichtung des Phänomens Grand Prix nicht kompatibel ist. So wird zum Beispiel für das Formel-1-Gastspiel in der Eifel die BMW Brücke über Start und Ziel kurzfristig zur Santander-Brücke.
Wir vom Media-Staff haben in erster Linie für die reibungslosen Abläufe im Pressezentrum zu sorgen. Wenn man früher ein paar größere Tapeziertische für die verschiedenen „Pressemitteilungen“ aufgestellt hatte, so folgt allein diese Fazilität heute einem akribisch genauen Lastenheft.
Alles ist exakt vorgeschrieben, folgt Standards, die in Kuala Lumpur – fände denn dort ein Grand Prix statt – genau so gelten wie in Japan oder hier am Nürburgring: Die Anzahl und die Beschaffenheit von Ordnern, in denen die einzelnen Teams ihre Communiqués deponieren, ist ebenso vorgeschrieben wie die Konfigurierung des Pressesaals, die Galerie an TV-Geräten, an denen man während des Schreibens das Rennen verfolgt, sowie die Anzahl der Press-Kits und wie viele in welcher Sprache vorliegen (weißer Rücken: deutsch, schwarzer Rücken: englisch).




