Teil 2 – Formel 1: Blick hinter die Kulissen von Pressezentrum und Fahrerlager der Formel 1
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Wer im Formel-1-Geschäft dabei sein will, muss eine Menge Regeln beherzigen. Das gilt nicht nur für Fahrer, Teams, Sponsoren und Manager. Auch das Media-Center, um den altmodischen Begriff „Pressestelle“ zu vermeiden, hat bis ins Detail fest umrissene Aufgaben. Hier Teil 2 des Erfahrungsberichts vom Formel-1-Rennen des vergangenen Wochenendes.

Nur was du schwarz auf weiß besitzest, kannst du getrost nach Hause tragen: Hunderte von Pressemappen müssen für die Journalisten konfektioniert werden.
Rund 700 Pressemappen werden schon am Mittwochvormittag vorbereitet. Sie warten aufgeblättert und ausgebreitet auf den Arbeitstischen auf Fertigstellung. Die ebenfalls zum Kit gehörenden Programmhefte sind noch auf dem Weg. Irgendwann kommt der Mann mit der Palette. Wir fangen übereifrig an, die dicken Pakete zu verteilen, bis der Lieferant in gebrochenem Englisch-Französisch uns bedeutet, wir müssten sie erst mal zählen – er wisse nicht, ob es 700 oder 800 sind. Also grobe Schätzung – das sind 20, da 40, da 60. Stopp, da sind auch 15er Päckchen dabei. Kurzum, alles wieder auf einen Haufen. Gezählt. Jawohl, 800. Dann kann der gute Mann seine 100 erleichtert wieder mitnehmen. Es kommt eben auch auf 100 Programmhefte an! Mehr oder weniger: Nach einer Stunde stand der gute Mann durchgeschwitzt abermals vor uns, um weitere 100 abzugreifen. Also: Pressemappen auseinanderfieseln, 100 rausrücken!
An anderer Stelle hat man bisweilen das Empfinden, als käme es nicht so genau drauf an: Wie man hört, gibt es innerhalb der Formel 1 schon seit geraumer Zeit einen weiteren Wettbewerb neben dem eigentlichen Wettrennen, nämlich die Konkurrenz, wer das größte, aufwändigste Teamgehäuse auf dem limitierten, ihm zugewiesenen Platz im Fahrerlager untergebracht hat. Favorit ist immer noch Red Bull, das mit einer zweistelligen Anzahl von Sattelschleppern anrückt, um die Zutaten für seine bescheidene Nürburgring-Facility anzuliefern. Dort können bis zu 150 Gäste besser als First Class verköstigt und bewirtet werden.
Intelligent ist die Lösung des Platzproblems für die arbeitende Bevölkerung wie Techniker, Mechaniker, Strategen und Entscheider: Dem Prinzip des Wolkenkratzers folgend, wird bei knapper Grundfläche in die Höhe gebaut. Die allumfassenden, mit jedem technischen Equipment ausgestatteten Büros über den Dächern der Werkstattbusse erhalten prompt den Spitznahmen „Baumhäuser“.
Bis zum Mittag füllen sich Paddock und Pressezentrum. Die Rennmechaniker strömen in Massen zu ihren Arbeitsplätzen und die Journalisten belegen ihre Plätze. Immer dieselbe Clique reklamiert Jahr für Jahr ein spezielles Areal, denn man will partout beisammensitzen, und zwar genau hier und nicht um alles in der Welt woanders. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier.

Dicht gedrängt warten Fotografen und Reporter in der Pressekonferenz auf goldene Schüsse und Sprüche.
Gewöhnt hat man sich auch an die Routine der Pressekonferenzen: Da versammeln sich Fotografen und Wortberichterstatter einerseits sowie Fahrer, Manager und/oder Techniker andererseits. Momentaufnahme, viermal am Renn-Wochenende, donnerstags 15, freitags 16, samstags 16.05 und sonntags 15 Uhr 45: rechts und links an der Wand entlang 30 bis 40 Fotografen mit geladenem Gerät, in der Mitte auf den Stuhlreihen 30 Mann mit Rekorder oder Block und Stift. Plötzlich sind die Stars da, Blitzlichtgewitter, als träten sie das allererste Mal auf. Sie nehmen artig auf ihren zugewiesenen Stühlen Platz. Die Fragen sind meist gefällig, harm- und belanglos. Die Antworten werden in ihrer Qualität daran gemessen, wer möglichst wenig möglichst originell sagt. Es sei denn, jemand hat mal eine Botschaft. Aber das kommt eher nicht vor. Wir vom Media-Staff haben nix anderes zu tun, als den Fragestellern die Mikrofone hinzuhalten. Auch das schon fast ein Ritus.




