Teil 3 – Formel 1: der Blick hinter die Kamera
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Aus dem Alltag des Formel-1-Pressetams – wer im Formel-1-Geschäft dabei sein will, muss eine Menge Regeln beherzigen. Das gilt nicht nur für Fahrer, Teams, Sponsoren und Manager. Auch das Media-Center, um den altmodischen Begriff „Pressestelle“ zu vermeiden, hat bis ins Detail fest umrissene Aufgaben. Teil drei aus der Tiefe des Media-Staff vom Formel-1-Rennen des vergangenen Wochenendes.
Besonders interessant ist das Szenario für die Fernseh-Interviews. Für uns vom Media-Staff geht es bei dieser Institution nicht primär darum, wer interviewt wird und was er sagt. Wir schaffen nur den Rahmen, wörtlich gemeint. Der ist, wer errät es, ebenfalls bis ins Kleinste vorgeschrieben.

Der Stoff aus dem das Interview-Karree besteht: roter Teppich, Pflanzenkübel und Absperrungen (im Hintergrund).
Bestandteile: ein sechs mal sieben Meter großer roter Plüschteppich, 20 Chromstangen, 20 Meter dicke schwarze Kordel und zehn zwei Meter hohe Efeukübel. Das Ganze wird so drapiert, dass es je einen abgesperrten inneren und äußeren Bereich gibt – im inneren stehen dann die Interviewpartner, im äußeren die Kamerateams. Die Bäumchen verdecken die Mülltonnen im Hintergrund. Diese Konfiguration wird jeden Tag aufs Neue auf- und abgebaut. Die Erfahrenen unter uns erinnern sich, dass die alten Chromstangen deutlich leichter waren als die heutigen. Die Efeubottiche sind auch schwierig zu verschleppen und haben Kippneigung.
Die TV-Interviews finden, wie könnte es anders sein, überall auf der Welt nach demselben Strickmuster statt. Deshalb – und auch das ist gewollt – sehen sie auch immer gleich aus. Doch während der Fernseh-Zuschauer immer einen in eine Kamera schauenden und in ein Mikrofon sprechenden Piloten sieht, bietet sich dem Betrachter am Ort des Geschehens ein völlig anderes Bild.
Die vier oder fünf für die Interviewsitzung verpflichteten Stars stehen, vom Tonbandgerät ihrer Pressesprecher bewacht, in dem inneren Feld, außen herum, je nach dem aktuellen Interesse am jeweiligen Hauptdarsteller, eine Traube von Fernsehteams, die eines nach dem anderen ihre mehr oder weniger intelligenten Fragen abschießen dürfen. Der Hauptakteur gibt sich dem Thema entsprechend launig, ernst, gelassen bis gelangweilt. Die Traube um unseren Mann wird kleiner, bis er schließlich erleichtert den Ort des Geschehens verlässt.
Inzwischen kümmern sich andere Mitglieder des Media-Center-Staff um das Wohlergehen der Fotografen im Fotografenraum („da stinkt’s ab Mittag wie im Iltiskäfig“ – kein Wunder bei den Kilos, die die armen Kerle ständig durch die Eifel schleppen).
Andere sorgen dafür, dass jeder Journalist sein gewünschtes Schließfach, eine Telefon- oder Faxverbindung bekommt. Eine Cheflogistikerin in Sachen Food and Beverage trägt Sorge dafür, dass immer genügend belegte Brötchen, Kuchen, Kaffee und Kaltgetränke da sind.
Andere sind immer da, wenn ein Journalist neu ankommt und dies und das will oder wissen will – am Empfangscounter, sozusagen der Visitenkarte des Ganzen, und im eigentlichen Empfangskomitee, das Akkreditierungsbüro draußen an der Döttinger Höhe. Andere werten die weltweite Tagespresse aus – man will schließlich wissen, was die Jungs und Mädels von der berichtenden Zunft unter unserer Betreuung so verzapfen. Wieder andere kümmern sich um Computer-Service, Kommentatoren-Kabinen (die wollen schließlich – obwohl auf der anderen Seite der Rennstrecke – auch mit Aktuellem versorgt sein), das Shutteln der Fotografen und Kurierfahrten. Das alles von früh (Glockenschlag sieben Uhr, naja, plus/minus) bis spät (bis der letzte „Kunde“ den Saal verlassen hat. Und der hat oft Sitzfleisch).
Am Sonntagabend, wenn der Sieger gefeiert, der Verlierer bedauert ist, wenn sich die Fans längst verdünnisiert haben, die Piloten schon seit Stunden mit dem Helikopter verschwunden sind, die Lkw ungeduldig losdonnern und wenn die Putzgeschwader das Kommando übernehmen, gehen wir so ziemlich als Letzte vom Platz. Und wundern uns. Kein düpp düpp diiii mehr. Dann endlich wissen wir: Dieses Formel-1-Wochenende ist endgültig vorbei. Wir haben zwar keinen einzigen Boliden live gesehen, wir waren aber mittendrin.


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