BMW 760Li – neue Sparsamkeit?
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Ja, ja, das Sommerloch. Da werden so manche Autos hochgelobt, die sich kein Mensch leisten kann und auch sonst nicht wirklich Sinn machen. Besonders schön ist es aber, wenn das Auto von einem Hersteller kommt, der gestern noch erklärt hat, dass er künftig sparen und grüner fahren will.
Die Rede ist von BMW, die bekannt gaben, dass sie in der nächsten Saison nicht mehr in der Formel 1 fahren – aus Kosten- und Umweltgründen. Man darf bezweifeln, dass es diese beiden Punkte alleine sind, die BMW zum Rückzug bewegten. Denn mit dem aktuellen achten Platz von elf Teams kann man in München nicht wirklich zufrieden sein.
Auf der gestrigen Pressekonferenz teilte Vorstandsvorsitzender Norbert Reithofer mit, dass die Bayern künftig eine neue Strategie fahren werden. „Premium wird immer stärker auch über Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit definiert. Wir wollen hier eine Vorbildrolle einnehmen“, sagte er.
Nun, wie passt das mit dem neuen Flaggschiff 760i (oder als Langversion Li) zusammen? Ein Auto, das nicht nur einen sechs Liter großen V12 mit 544 PS unter der Haube hat, sondern auch nach EU-Norm mindestens 13 Liter verbraucht. Zwar verbrauchen vergleichbare Modelle wie Mercedes S600 oder VW Phaeton W12 über einen Liter mehr, aber viel ist das dennoch. Denn jeder Autofahrer weiß , dass dieser Wert im normalen Straßenverkehr nie und nimmer zu erreichen ist.
Auch ist der Preis mit 144.800 Euro für den 760Li nicht besonders sparsam. Gut, der 760Li beschleunigt laut Hersteller in 4,6 Sekunden auf Tempo 100 und wird standesgemäß bei 250 km/h elektronisch beschnitten. Das macht bestimmt viel Spaß auf freien Autobahnen. Auch sollen Komfort und Handling enorm sein.
Aber ist der Antrieb wirklich noch zeitgemäß? Auf der einen Seite proklamiert Reithofer seine grüne Welle namens EfficientDynamics und auf der anderen Seite schaufeln zwölf Zylinder eifrig Sprit auf die Straße, um ein Zwei-Tonnen-Schiff anzutreiben.
Irgendwie konfus. Erschütternd ist aber auch, dass fast die gesamte Motorjournalie dieses Auto in höchsten Tönen lobt. Egal ob es die Fachblätter auto, motor und sport oder Autobild tun. Nein, auch Spiegel, Stern und Bild schlagen in die gleiche Kerbe. Traurig. Oder hat es doch nur mit dem Sommerloch zu tun? (Das es laut ARD-Chefredakteur (Tagesschau und Tagesthemen) Kai Gniffke doch gar nicht gibt?)



(8 votes) 

Lieber Paul,
1,5 Liter Verbrauchsreduzierung im Vergleich zum VW Phaeton oder 1,3 Liter weniger als der vergleichbare Mercedes S 600 lang, das ist schon ne Hausnummer. Hut ab vor den Technikern, die das bei einer der besten Luxuslimousinen der Welt schaffen. Und die Erkenntnisse, die bei der Entwicklung solcher Motoren gewonnen werden, die kommen auch kleineren Motoren zu Gute. Nur so ist es zu erklären, dass BMW zur Zeit in fast allen Klassen die spurtstärksten UND sparsamsten Motoren anbietet. Also bitte nicht gegen große Autos wettern, nur weil sie bei oberflächlicher Betrachtung nicht in die Zeit passen. Stückzahlmäßig spielen sie eh keine große Rolle. Passt die Formel 1 etwa in die Zeit? Die Welt wird eher von Millionen sparsamer Golf oder Polo gerettet, als dass sie wegen ein paar durstiger Phaeton untergeht.
Übrigens: Die Millionäre in Moskau, Singapur und China lechzen nach solchen Autos. Wer will ihnen die Freiheit verwehren sie auch zu kaufen? Unsere Politiker, die selber S-Klasse und Co. fahren (gepanzert mit 25 l/100 km Verbrauch) bestimmt nicht.
Mit besten Grüßen aus dem Fond eines Lexus LS 600h L (9,3 l/100 km nach EU-Norm)
Thomas
Lieber Thomas,
natürlich ist der BMW 760i ein tolles Auto. Auch wird er einen bärenstarken Motor haben und ein sportliches Fahrwerk. Es mag sogar sein, dass der Zwölfzylinder aus Bayern weniger verbraucht als der aus Stuttgart und Wolfsburg und dadurch besonders innovativ ist und neue technische Akzente setzt.
Mir geht es aber nicht speziell um den Verbrauch, sondern um die einerseits verkündetet Sparsamkeit von BMW und anderseit die Vorstellung des 760i und die Darstellung des Autos in den Medien. Der Zeitpunkt wurde von BMW einfach sehr schlecht gewählt. Oder die Münchner hätten ehrlich verkünden müssen: “Ja, wir waren in der Formel 1 nicht so erfolgreich wie wir uns das gedacht haben und ziehen jetzt die Reißleine, damit wir nicht noch mehr Geld verbrennen.” Mit Sparsamkeit und Ökologie zu kommen ist ein bisschen dünn, vor allem wenn man einen sechs Liter großen V12 präsentiert. So sehe ich das jedenfalls. Beste Grüße Paul
Jubelarien von Motorjournalisten sind prinzipiell mit Vorsicht zu genießen, dazu ein paar Gedanken und Hintergründe hier:
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@Thomas Wüsten
BMW baut die “spurtstärksten UND sparsamsten Motoren”?
Da reden Sie der geschmierten Auto-Journallie aber fein nach dem Mund. Auf eigene Erfahrunge kann sich diese Aussage jedenfalls nicht berufen. Da bin ich mir sicher.
Ich fahre derzeit dienstlich einen 118i mit 150PS. Gemessen an Gewicht und Leistung möchte ich das Auto in Sachen gefühlter Spurtstärke im Bereich der sportlichen Kleinwagen bestenfalls im Mittelfeld ansiedeln.
Sein Spritverbrauch ist nahezu unterirdisch schlecht. Im reinen Stadtverkehr kommen mit sehr zurückhaltender Fahrweise bestenfalls 12 Liter/100km raus. Im Alltags-Mix aus Stadt und Autobahn (streckenmäßig je etwa 50%) bekomme ich die Blechbüchse nur mit Gewalt unter 10 Liter – darf dann aber keinen Meter schneller als 120 km/h fahren.
Selbst der 20 Jahre alte 525i eines Freundes, verbraucht nicht ansatzweise so unverschämt viel Sprit und macht ob seines großeren Hubraums und des 6-Zylinders auch noch wesentlich mehr Spaß.
Hinzu kommt, dass man auf den verstopften Straßen jeglichen Anfall von Spurtstärke ohnehin nicht nutzen könnte. Also warum ein Auto in diese Richtung entwickeln? Um an jeder roten Ampel erster zu sein?
Ich bitte Sie! Wir sind keine 18 mehr und aus derart pubertärem Verhalten doch hoffentlich rausgewachsen.
Dazu kostet der 118er-Blecheimer auch noch ab 30.000 Euro aufwärts – das ist selbst für ein deutsches Auto im Kleinwagen-Segment schon derb teuer.
Klar, da ist ja auch so ziemlich jeder erdenkliche Schnickschnack drin. Das treibt nicht nur den Preis, sondern auch den Spritverbrauch nach oben.
BMW bedient nun mal eine ganz spezielle Clientel.
Den normalen Bürger mit mittlerem Einkommen, der sein Auto für den Arbeitsweg und den Familienurlaub braucht, erreichen die schon lange nicht mehr, was auch die Verkaufszahlen deutlich machen.
Was BMW jedoch nicht herstellt, das zeigen Erfahrungsberichte und unbeeinflusste Tests deutlich, sind sparsame Fahrzeuge.
Da zeigen international die Japaner und Franzosen wo es lang geht und selbst im eigenen Land müsste man nur bei VW gucken um zu lernen, wie man relativ sparsame Autos baut.
Grüße von einem Vernunftsfahrer, der privat “nur” einen Renault Megáne Grand Tour fährt – _tatsächlicher_ Spritverbrauch innerorts: 7 Liter/100km
[...] Das neueste Beispiel solcher Jubelarien hier von Paul Zitsch auf dem unautodox-Blog. Das Übel nimmt offenbar kein [...]