Veritas RS III: Nostalgie meets Futurismus
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Mit dem Namen Veritas bemühen die Macher die deutsche Nachkriegs-Motorsporthistorie. Wer in Zukunft einem der geplanten Veritas RS III begegnet, wird sich verwundert die Augen reiben. Bin ich im falschen Jahrhundert oder kommt mir da ein Ufo entgegen? Beide Eindrücke sind nicht von der Hand zu weisen.
Das ist schon mutig: mit dem Namen Veritas („Wahrheit“) an stolze motorsportliche Erfolge der späten 40er und frühen 50er Jahre anzuknüpfen und im elitären Feld der Super-Super-Sportwagen auf den Markt zu gehen. Das spektakuläre Projekt ist in Grafschaft-Gelsdorf nicht weit vom Nürburgring zuhause.

Veritas RS III, hier im alten Fahrerlager am Nürburgring: 30 Exemplare des 340.000-Euro-Spyders sind geplant.
Die dort ansässige Firma VerMot will demnächst „eine einmalige Serie“ von 30 Exemplaren des auffälligen Spyders an den Mann bringen. Dieser muss allerdings flüssig sein. Dem Vernehmen nach wird eine der über 500 PS starken Pretiosen mehr als 340.000 Euro kosten – Mehrwertsteuer nicht eingerechnet!
Veritas – das steht für die Wiederbelebung des deutschen Automobilsports nach dem Zweiten Weltkrieg. Kein Geringerer als der „Gusseiserne“ Schorsch Meier, Rennidol der Vorkriegsjahre, war einer der Protagonisten bei dem ehrgeizigen Unterfangen, mit vorhandenem BMW Material wieder in den Automobilbau einzusteigen, letztlich auch mit der Zielsetzung, wieder sportlichen Lorbeer einzufahren. Kurzum, man nahm gebrauchte BMW 328 her und verpasste ihnen Rohrrahmen, Alu-Stromhaut und einen auf 115 PS leistungsgesteigerten Motor. Das war 1947. In den nächsten Jahren heimsten Veritas Siege und Meisterschaften en masse ein. Fahrer mit so klangvollen Namen wie Karl Kling, Schorsch Meier, Paul Pietsch und Hans Hermann pfeilten mit dem Veritas über Rundstrecken und die Berge hinauf, dass es eine wahre Freude war.
Bei aller futuristischen Auffälligkeit will der neue Veritas sehr bewusst formal die Geschichte dieser Rennerfolge aufleben lassen. Auf sportliche Erfolge ist er jedoch nicht angesetzt. Wenn auch die technischen Daten eine deutliche Sprache sprechen:
Der Supersportwagen wird von einem 5,0-Liter-V10-Motor von BMW angetrieben und erzielt in der Spitze 347 km/h. Das Leistungsgewicht liegt unter zwei Kilo pro PS.
Einen Sieg hat er allerdings schon erzielt: In überarbeiteter Version erhielt der neue Veritas Ende Juli beim „Salon Privé“ im renommierten Londoner Hurlington Club den Publikums-Preis als „Best Super Car 2009“ vor einem McLaren und dem One 77 von Aston Martin. Mit dem Hinweis auf die kleine Serie soll der unangenehmen Frage, ob ein solcher Kraftprotz noch zeitgemäß ist, wohl aus dem Weg gegangen werden: Originalton VerMot: „Es fahren über 50.000 V10-Motoren in BMW, wir bauen 30 Stück mit der Hälfte an Gewicht.“ Und außerdem: Ein bisschen träumen wird man ja wohl noch dürfen.



