Leise, umweltfreundlich und elektrisch
Kein Kommentar
845 views
Der Renault Kangoo Be Bop Z.E. ist Vorreiter der Elektroautos der Marke.
Bei 80 km/h rauscht der Fahrtwind nur leise, sonst ist nur das Summen der Reifen zu hören. Renault erprobt zurzeit den Elektroantrieb in einem Prototypen des Kangoo Be Bop. Was den Reiz des Systems ausmacht, ist die Vorbereitung für einen Batteriewechsel. Für das Bewältigen längerer Strecken will Renault ein Service-Netz einrichten, an dessen Stützpunkten der gesamte, unterflurmontierte Akku innerhalb von drei Minuten ausgewechselt werden kann.
Das erhöht die auf 160 Kilometer berechnete Reichweite erheblich. Für die tägliche Kurzstrecke, den Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen, reicht der Saft in der 15 kWh starken, 250 Kilogramm schweren Lithium-Ionen-Batterie allemal. Sie setzt sich aus 48 einzelnen Zellen zusammen, die gemeinsam eine Spannung von 400 Volt ergeben. Der Akku wird vom Kooperationspartner NEC hergestellt und kann mit Haushalts-Wechselstrom mit 230 Volt innerhalb von etwa acht Stunden aufgeladen werden. Steht Drehstrom mit 380 Volt zur Verfügung, gelingt der Ladeakt in nur drei Stunden.
Während die Batterietechnik und der Antrieb sich auf bereits bekannte Erforschungen stützen, ist die wohl wichtigste Neuerung beim Renault-Prototypen ein Universalstecker, der für beide Stromarten genutzt werden können soll. Hierzu führe man zurzeit Gespräche mit anderen Herstellern, um mit einem einheitlichen Ladestecker die Versorgung von Elektrofahrzeugen möglichst flächendeckend ermöglichen zu können. Anspruchsvoll ist ebenso das Steuergerät des Kangoo Be Bop Z.E. Dieses macht aus der Betriebsspannung von 400 Volt die im Personenwagen üblichen 12 Volt zum Betrieb der elektrischen Verbraucher wie Beleuchtung, Scheibenwischer oder Radio. Die Klimaanlage dagegen wird mit höherer Energie beliefert und ist auch beim Stillstand betriebsbereit. Für Länder unserer Breiten würde die Kühlung des Aggregates über Kühlbleche ausreichen, für heißere Länder werde wohl eine Wasserkühlung oder gar eine Klimatisierung nötig, heißt es.

Stromtanken beim Be Bop: Noch wird über ein herstellerübergreifend einheitliches Steckersystem verhandelt.
Dies könnte der Fall sein, wenn 2011 die ersten Renault Mégane mit Elektroantrieb in Israel auf die Reise gehen, der Transporter Renault Kangoo Rapid, der im gleichen Jahr zum Flottenversuch in Dänemark startet, hat diese Maßnahmen nicht nötig. Beide werden mit einem System bestückt sein, das aus heutiger Sicht eine Motorleistung von 44 kW (60 PS) und ein maximales Drehmoment von 190 Newtonmetern haben soll. Vermutlich, so ein Entwicklungsingenieur von Renault, werde die Motorleistung noch um etwa 20 Prozent steigen.
Heute schon ist der Kangoo Be Bop rund 130 km/h schnell. Eine Anzeige am Armaturenbrett zeigt den Füllstand der Batterie an, ein Econometer signalisiert, ob Energie entnommen oder eingespeist wird. Beim Verzögern holt sich der umgepolte und dann als Generator arbeitende E-Motor einen Teil der Energie zurück. Der niedrige Schwerpunkt führt zu guten Handlingeigenschaften des knapp 1.600 Kilogramm schweren Viersitzers.
Die wird er auch brauchen, wenn die Akzeptanz des Elektroautos zu relevanten Produktionszahlen führen soll. Denn nur bei ausreichend hohem Fertigungsvolumen können die Preise realisiert werden, die sich auf dem Niveau heutiger Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor bewegen. Davon ausgenommen ist die Batterie. Die soll, so die Visionen bei Renault, vom Kunden gemietet werden, um die Kosten beim Autokauf nicht über Maßen nach oben zu treiben. Immerhin kommen in den nächsten Jahren auch andere mit E-Autos auf den Markt. Mitsubishi, Nissan, Toyota und auch die deutschen Hersteller forschen um die Wette, um die Stromversorgung an Bord nachhaltig und für lange Strecken sicherzustellen.




