Ein Grüner lernt driften – BMW will Umwelt-Marke werden
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Joschka Fischer als Berater der Autoindustrie. Eine gute Idee? Vielleicht. BMW wird sich ändern, egal ob mit Fischer oder ohne. Die Bayern setzen voll auf Nachhaltigkeit und wollen nicht nur ihren Vorsprung bei der CO2-Reduzierung ausbauen. Wir sind auf Fischers Dienstwagen gespannt.
Nun tut BMW es wieder – und ist womöglich gar nicht so schlecht beraten damit. Wieder ein hochprominenter Politiker, der bereit ist, das Wort für den bayerischen Premium-Hersteller zu ergreifen. Und diesmal einer, der aus einer Ecke kommt, wo man nicht gerade die Autofreunde erwarten würde: Joschka Fischer, einst revoluzzerfreundlicher Aufbegehrer in Schlabberjeans und Turnschuh, später Bundesaußenminister in edlem Zwirn, aber immer noch sehr grün. Die „Süddeutsche“ zitiert ihn heute mit dem „mit Ausnahme von BMW“ von ihm erhobenen Vorwurf, die Automobilwirtschaft habe lange auf der Bremse gestanden (was die Umweltverträglichkeit des Autos betrifft).
Woher die in diesem Fall ja richtige, aus der politischen Richtung heraus jedoch verblüffende Einsicht? Er hat einen Beratervertrag. Verrat an der politischen Farbe, könnte man meinen. Doch es geht auch anders, und die öffentliche Meinung scheint mitzuspielen. Wie, wenn man anerkennt, dass Fischer sich mit seiner Grundorientierung tatsächlich segensreich einbringen kann? Grünes Gedankengut ist heute gefragt in einer von der Öffentlichkeit wegen vermeintlicher Sturheit gegeißelten Industrie. Und wer könnte das besser einbringen, als ein prominenter, noch dazu so eloquenter großer Grüner? Geschickt von BMW, was die Wirkung nach außen angeht. Ob es nach innen die richtige Wirkung erzielt, bleibt hoffnungsvoll abzuwarten. Übrigens: BMW hatte schon mal einen hochkarätigen Politiker an Bord. Dr. Horst Teltschik war dort von 1993 bis 2000 im Vorstand. Und er holte schon damals eine grüne Delegation zum Meinungsaustausch in die Chefetage des BMW Hochhauses. An ihrer Spitze – Joschka Fischer.



Ach, der Fischer. Der ist noch so grün wie die CDU christliche Grundsätze vertritt. Ein kleines ideologisches Kammerspiel mit Werbewirkung – aber clever. Ob Mercedes wohl Ströbele für sich gewinnen kann?
Eine gute Idee? Na ja. Für ihn schon. Warum soll der einstige Steinewerfer und nachmalige Turnschuh-Messias seinen Lebensabend nicht mit der Kohle zelebrieren, die der einstige Klassenfeind in München angehäuft hat?
Aber für BMW ist das ein bizarres Armutszeugnis. Da muss die Not in München wirklich groß sein, wenn das ganze Geld, was man durch den Formel-1-Ausstieg künftig einspart, jetzt bei einem zerknitterten Lobbyisten landet, der zeitlebens Tempo 100 auf deutschen Autobahnen propagiert hat.
Der Sympathie zur Marke wird das nicht dienen. Aber vielleicht kennen wir ja noch nicht die ganze Wahrheit. Mich würde es jedenfalls würde es nicht wundern, wenn Joschkas Party-Flittchen in der kommenden Saison noch zur Werksfahrerin avanciert: Minou in der Mini-Trophy – das wäre doch mal ein richtiger PR-Hammer…