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Leistung rauf, Verbrauch runter – Fiat lässt die Einlassventile elektrisch tanzen

Geschrieben von Thomas Wüsten am 21. Oktober 2009 – 17:30
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Die neue Motorentechnik heißt MultiAir, ist von Fiat entwickelt und patentiert, steigert die Leistung um rund zehn Prozent, senkt den Verbrauch um bis zu zehn Prozent, ersetzt die Einlassnockenwelle und steuert die Ventile elektrohydraulisch.

Der Alfa Mito 1.4 TB 16V MultiAir ist mit 135 PS der erste Konzern-Wagen mit der neuen Technik, die Fiat in allen neuen Motoren nutzen will

Der Alfa Mito 1.4 TB 16V MultiAir ist mit 135 PS der erste Konzern-Wagen mit der neuen Technik, die Fiat in allen neuen Motoren nutzen will.

Der Alfa Mito 1.4 TB 16V MultiAir kommt als erstes Modell mit der bahnbrechenden Technik, der Fiat Punto Evo folgt in Kürze. Mit MultiAir, der elektrohydraulischen Steuerung der Einlassventile, ist Fiat wieder einmal Vorreiter der gesamten Automobil-Industrie bei der Motorentechnik. Wie schon bei Common-Rail-Dieselmotoren und zuvor mit Twin-Spark-Benzinern präsentieren die Italiener mit MultiAir eine Technik, die vermutlich mittelfristig in den Verbrennungsmotoren aller Hersteller Einzug halten wird. Natürlich nur gegen Zahlung von Lizenzgebühren, aber die Vorteile scheinen mit zehn Prozent Leistungserhöhung, 15 Prozent Drehmoment-Zuwachs und zehn Prozent Verbrauchsreduzierung wirklich bahnbrechend zu sein.

Bei MultiAir gibt es keine Einlassnockenwelle mehr, stattdessen steuert das Elektroventil (rot) den Öldruck, der das Ventil öffnet

Bei MultiAir gibt es keine Einlassnockenwelle mehr, stattdessen steuert das Elektroventil (rot) den Öldruck, der das Ventil öffnet.

Davon ist zumindest Vittorio Doria, Fiat Chef-Entwickler für Benzinmotoren, überzeugt: „Diese Technik wird eine neue Ära der Benzinmotoren einläuten.“

Doch was ist MultiAir eigentlich? Hier die technisch stark vereinfachte Erklärung: Statt mechanisch über eine Einlassnockenwelle und Tassenstößel steuert MultiAir die acht Einlassventile des Vierzylinders elektrohydraulisch. Es gibt nur noch die Ausslassnockenwelle, die jedoch gleichzeitig mit einem Nocken pro Zylinder Öldruck aufbaut, der dann von einem elektromagnetischen Steuerventil zum Ventilhub der Einlassventile genutzt wird. Damit lassen sich Ventilhub und Öffnungszeit ganz individuell pro Zylinder steuern. Die Drosselklappe ist nun arbeitslos. Das Kommando des E-Gas für Vollgas, Halbgas oder wie auch immer wird einzig durch die Ansteuerung der Einlassventile umgesetzt. Die Folge: hohe Effizienz u.a. durch den Wegfall der Drosselklappenverluste. Das BMW System Valvetronic verfolgt einen ähnlichen Ansatz, allerdings mit weniger technischen Möglichkeiten wie MultiAir. Bei MultiAir können die Einlassventile sogar bei einem Arbeitstakt zweimal kurz geöffnet werden (daher auch der Name MultiAir), was zur besseren Gasverwirbelung im Teillastbereich und damit zu weiterer Verbrauchsreduzierung führt.

 

Ein E-Ventil (oben links in grün) steuert bei MultiAir zwei Ventile, Vorteile: Weniger Verbrauch, mehr Leistung und Kostenreduzierung bei der Motorenfertigung

Ein E-Ventil (oben links in Grün) steuert bei MultiAir zwei Ventile; Vorteile: weniger Verbrauch, mehr Leistung und Kostenreduzierung bei der Motorenfertigung.

Fiat plant für 2010 den Einsatz der MultiAir-Technik bei einem kompakten 900-ccm-Zweizylinder, der neue Spar-Rekorde aufstellen soll. Außerdem eignet sich die Technik auch zur Gassteuerung bei Dieselmotoren.

unAUTOdox: Wenn Fiat die elektrohydraulische Ventilsteuerung im Griff hat, dann werden die Wettbewerber für das Patent Schlange stehen. Der Wegfall der verbleibenden Ausslassnockenwelle ist dann der nächste konsequente Schritt. Vielleicht folgt sogar die elektropneumatische Steuerung. Eins ist sicher, das beweist MultiAir deutlich: Der Verbrennungsmotor ist noch lange nicht am Ende.

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