Unterwegs im Sandkasten für Erwachsene
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Land Rover Experience lenkt die Marken-Freunde durch die omanische Sandwüste.

Der Range wirft Sand-Fontänen durch die Wüste von Oman, die Fahrer, die zu viel wollen, graben sich schnell ein.
Said rudert mit seinen Armen wie ein Flugzeugeinweiser am Terminal Frankfurt Rhein-Main. Und wer sicher ankommen will, folgt den Signalen des aus Indien stammenden Wüsten-Führers bedingungslos. Denn Said kennt den Sand, nicht nur hier in der Ramlat al Wahaybah, der omanischen Sandwüste, sondern wohl auf der ganzen Welt. Er kann ihn riechen, seine Konsistenz mit einem Blick bestimmen und hat gleich ein ganzes Bündel verschiedener Begriffe für die unterschiedlichen Beschaffenheiten des fein rieselnden Elements in seinem Wortschatz.
Der V8 heult kurz auf, dann erreicht der Range Rover sicher den Dünen-Kamm und kommt zum Stehen. Said ist zufrieden, lächelt besinnlich und nickt dem Fahrer im Geländewagen gratulierend zu. Ein weiterer Gipfel ist bezwungen, rund 100 Meter hoch ragt der gelb-rote Sand über das nächste Tal.

Ein kleiner Sprung für den Range – aber eine große Mutprobe für den Fahrer, die meisten Teilnehmer bei der Land Rover Experience sind Hobby-Offroader.
Eines von vielen in der gut 15.000 Quadratkilometer großen omanischen Wüste, die gerade zum Sandkasten für Erwachsene geworden ist. Für knapp eine Woche treffen sich die Freunde der englischen Traditionsmarke Land Rover hier, um das zu tun, was in ihren behüteten Wohngegenden der Heimat weder gestattet noch überhaupt möglich ist – die Fähigkeiten ihrer Fahrzeuge in freier Wildbahn kennen zu lernen.
Rund 4.000 britische Pfund haben die Teilnehmer für die Reise bezahlt, knapp 5.000 Euro sind das zurzeit. Die Anreise ist darin nicht enthalten, wohl aber die Garantie für ein einmaliges Erlebnis. Land Rover Experience heißt die Abteilung der englischen Traditionsmarke, die ihren Kunden die Chance zum kontrollierten Abenteuer bietet.

Schotterpisten sind ja schon fast erholsam – das Bergpanorama entschädigt für den Sand im Schlafsack.
Rund 300 Mitarbeiter leiten die Fahrer der Range Rover, Discovery, Freelander oder Defender durch schwieriges Gelände, immerhin 110.000 Kunden gönnten sich das Vergnügen im vergangenen Jahr. Vom Fahrertraining auf Übungsplätzen in Deutschland und Europa bis zur Tour in der afrikanischen oder arabischen Wüste und dem malaysischen Dschungel reicht das Angebot.
Die Sonne brennt mit Gnade, jetzt im November fehlt ihr die sengende Glut, die während des Sommers tagsüber das Leben in der Wüste erlahmen lässt. Die Nächte sind frisch, am Feuer des Wüstencamps wärmen sich die omanischen Helfer und ein Kamel. Das hier eher als Kulisse dienen soll, die undurstigen Tiere laufen heute allenfalls noch bei Wettkämpfen um die Wette, Transportaufgaben übernehmen selbst in den Tiefen der Wüste mittlerweile die Pick-Ups der Beduinen.

Offene Worte vom Tour-Guide: „Weniger Vollgas wäre besser gewesen, also halt dich dran, sonst gräbst du beim nächsten Mal dein Auto selber aus.“
Oder eben ein Range Rover mit einem 4,4-Liter-V8 und 225 kW (306 PS). Über das Verteilergetriebe gelangt sein Drehmoment – maximal werden 440 Newtonmeter bei 4.000 Umdrehungen in der Minute erreicht – zu allen vier Rädern. Besonders hilfreich sind die unterschiedlichen Fahrprogramme fürs Gelände. Terrain Response nennt Land Rover die elektronische Steuerung der Traktion, die dem fast 2.600 Kilo schweren Geländewagen durch den Sand hilft. Der hat freilich seine Tücken, und immer wieder, wenn der Fahrer sich nicht penibel an die Wegweisung von Wüsten-Führer Said hält, graben sich die 19 Zoll großen Räder wie Schaufelradbagger ins tiefgründige Terrain. Dagegen hilft ein alter Trick der Wüstenfahrer. Die Reduzierung des Luftdrucks in den Reifen um gut ein Viertel vergrößert die Aufstandsflächen der Pneus. Und verhindert so übermäßiges Einsinken.

Sand-Fontänen-Kür für den Fotografen – nur ein Blick in die Weite der Wüste ohne Auto kann schöner sein.
Dennoch stiebt der Sand wie quirliges Wasser bis über die Radnaben. Es geht eine Düne hinab. Mehr als 50 Grad beträgt der Winkel am Kamm. „Ihr müsst unbedingt verhindern, dass der Wagen aus der Fahrtrichtung gerät“, sagt Land Rover Experience Chef David Sneath. Wenn er sich aus der Falllinie bewegt, könnte ein Überschlag die Folge sein. Was in der Theorie im Grunde einfach klingt, ist in der Praxis nicht so leicht zu bewältigen. Der Range schwimmt durch den Sand, feinfühlig müssen Lenk- und Gaspedalbewegungen aufeinander abgestimmt werden, letztlich erreichen alle Fahrzeuge nach dem atemberaubenden Ritt sicher das nächste Tal.

Wer sagt denn, dass es hier nur Sand gibt – bei Wasserdurchfahrten heißt es cool und dosiert am Gas bleiben, die Bugwelle bremst ganz schön.
Am Ende des Tages knirscht es überall. Nur in den luftdicht verschlossenen Kleidersäcken ist es sandfrei, der feine Staub hat sich sogar durch die dicken Türdichtungen des Range gemogelt. Aber der klare und von Sternen übersäte Himmel lässt jedes Ungemach in Vergessenheit geraten. Und ein leises Knistern dringt unter der Haube des Range wie ein Gute-Nacht-Gruß hervor, als der Motor abkühlt. Es klingt fast freudig. Der nächste Tag soll nur kommen.


