Neuer Ford Focus III in Detroit: frühe Präsentation als Bärendienst für den Handel in Europa
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Wer zeigt schon die nächste Generation seines wichtigsten Volumenmodells zwölf (!) Monate vor der Markteinführung? Ford in Detroit! Derweil muss der Focus II noch ein Jahr lang verkauft werden.
Der erste Pressetag der Detroit Motor Show (NAIAS) ist gerade zu Ende. Da schreiben einige Medien schon verächtlich über die PS-starken Muscle-Cars von Chevrolet, Ford und Dodge. Es heißt die regierungsgestützte US-Industrie habe nichts gelernt und wolle mit Benzin-Schluckern aus der Krise fahren, was natürlich in den Augen der klimakritischen Schreiber nicht gelingen kann. Andere Messe-Reporter gestehen den „Sick-Three“ wenigstens eine Handvoll einigermaßen attraktiver Neuheiten zu und sprechen von langsamer Rekonvaleszenz der US-Hersteller.
Ein US-Autokolumnist spottet treffsicher: „Die ganze Industrie erinnert an einen bockigen Teenager, der sich weigert, sein Zimmer aufzuräumen.“ Das Problem dabei: Die Teenager in Detroit sind alt und mächtig, wie z.B. Bob Lutz ,oberster GM Produktentwickler, der auch mit weit über 70 Jahren noch arbeitet, das Ruder fest in der Hand hält und eher an PS als an CO2-Reduzierung glaubt. Motto: Gestern standen wir vor dem Abgrund, heute sind wir einer Schritt weiter.
Nur vor diesem Hintergrund erscheint es fast logisch, dass Ford sich zeitgemäß modern präsentieren will und neben dem durstigen Mustang ein „vernünftiges“ Auto präsentiert: den neuen Ford Focus – die dritte Generation des in Köln entwickelten C-Segment-Modells.

Ford Focus III – Weltpremiere in Detroit: Der dynamische Golf-Gegner kommt erst in einem Jahr auf den US- und Europa-Markt. Ist der Focus II jetzt Alteisen?
Keine Frage, bislang ohne Staatshilfe ist Ford dennoch der erfolgreichste der erfolglosen drei US-Autoriesen. Die Präsentation des Ford Focus rund ein Jahr vor der weltweiten Markteinführung scheint allerdings allein eine PR-Strategie aus der amerikanischen Konzern-Zentrale zu sein. Kleine Autos, wie der neue Focus, sollen jetzt in den Staaten schnell Stimmung und Image wandeln. Europäische Ford-Händler werden sich nun fragen, wie sie noch den „alten“ Focus II erfolgreich und zu stabilen Preisen verkaufen sollen. Und selbst wenn die europäischen Länder-Zentralen mit Prämien helfend zur Hand gehen, dann dürfte das beim Erreichen der Verkaufsvolumen helfen, nicht aber beim Halten vernünftiger Restwerte.


