Der VW-Konzern will in den USA wachsen: Kleine Autos, sparsame TDIs und Hybrid-Technik sind die Lösung
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Die Wolfsburger wollen in nur acht Jahren ihre US-Verkäufe verfünffachen – von aktuell 214.000 Autos auf eine Million in 2018. Ein neues Werk und kleine Autos sollen helfen, das ehrgeizige Ziel zu stemmen.

Präsentation Detroit: Ein kleines graues Coupé namens NCC rollt vor die Medien – sensationell ist die Strategie dahinter.
Das auf der Detroit Motor Show von VW präsentierte Konzeptauto New Compact Coupé (NCC) wurde zwar mit großem Tamtam präsentiert, doch es wirkt in Silbergrau-Metallic beinah unauffällig unscheinbar. Dabei hat es der 4,54 Meter lange, zweitürige Fronttriebler faustdick unterm Blech, und zudem haben ihm die Konzernstrategen eine große Aufgabe zugedacht. Die deutschen Medien nehmen das für US-Verhältnisse eher kleinformatige Auto mit großer Begeisterung auf. „Her mit diesem Traumcoupé!“, fordert zum Beispiel „Auto Bild“ in Ausgabe Nr. 2 vom 15. Januar 2010. Die „Welt am Sonntag“ vom 17. Januar 2010 wundert sich über den Wirbel, lobt aber überschwänglich Design und Technik: „Dabei ist der VW NCC bislang lediglich eine – wenn auch überaus gelungene – Studie.“
Die Studie NCC verfügt über Hybrid-Antrieb und soll mit einem Verbrauch von nur 4,2 l/100 km auskommen. Das ist weniger, als die Konkurrenz-Hybriden von Toyota und Honda schlucken, aber diese sind ja auch schon serienreif. Ein VW NCC-Hybrid würde nach Aussage von VW Entwicklungschef Ulrich Hackenberg erst in zwei Jahren Marktreife haben, aber nur, „wenn die Kundenresonanz positiv ausfällt“. Zwar plant VW die langsame Hybridisierung etlicher Baureihen (den Anfang macht der neue VW Touareg im Frühjahr), aber ein Hybrid-Coupé steht nicht ganz oben auf dem Plan, weder für Europa noch für die USA.
Die viel wichtigere Aufgabe hat der NCC jedoch als ein optischer Ausblick auf den Nachfolger des VW Jetta für den US-Markt. Dieser soll schon im Sommer starten und das klare Design des NCC erhalten. Gleichzeitig beginnt der VW-Konzern mit diesem Jetta-Nachfolger eine US-Offensive, wie es sie bislang noch nicht gegeben hat: VW-Chef Martin Winterkorn („Piëchs Vollstrecker“, „Manager Magazin“ 09/2009) will die US-Verkäufe verfünffachen – von aktuell 214.000 Autos auf eine Million in 2018. Ein neues Werk in Chattanooga, Tennessee, ist schon im Bau, um näher am Markt zu produzieren und Währungsrisiken zu minimieren. Der Nachfolger des Jetta wird allerdings im mexikanischen Werk in Puebla produziert, eben möglichst kostengünstig. Von den 1 Mio. Fahrzeugen in 2018 sollen 800.000 VWs und rund 200.000 Audi sein. 2009 kamen die Ingolstädter in den Staaten auf knapp 83.000 Verkäufe.
In Chattanooga will VW ab 2011 den neuen New Midsize Sedan (NMS) produzieren. Mit 4,90 Meter wird die eigens für die USA entwickelte Limousine größer als ein Passat, baut aber laut „Welt am Sonntag“ auf der Golf-Jetta-Plattform auf. Nicht nur solche Entscheidungen belegen, dass VW strenger als zuvor darauf achtet, dass sich jedes Modell auch unter ungünstigen Marktbedingungen rechnet. „Wir bauen Autos, um Geld zu verdienen“, raunt ein Manager hinter vorgehaltener Hand und gibt so wieder, was er aus den harten Jahren unter Konzernchef Ferdinand Piëch mitgenommen hat.
Die ehrgeizigen US-Pläne von VW haben ihren Grund in der Nr.-1-Strategie. Der Zehn-Marken-Konzern hat sich – im Auftrag von Piëch – auf den Weg zum weltgrößten Autohersteller gemacht. Das geht nicht, wenn man die USA, einen der großen Weltmärkte (China, Europa, USA), vernachlässigt. Ab 2011 soll auch der Nachfolger des New Beetle zur Erfolgsgeschichte beitragen.

Fast zu schön für Amerika: Fensterlinie und Heck könnten auch von einem Premium-Coupé aus München oder Ingolstadt stammen.
Alle drei geplanten Autos (Jetta-Nachfolger, NMS und New Beetle-Nachfolger) gehören aus US-Sicht zu den kleinen Autos. Doch der Markt scheint mittlerweile reif für diese Autos zu sein. Trotzdem müssen die Wolfsburger höllisch aufpassen, dass ihnen bei Ihrer US-Strategie kein Fehler unterläuft. Die geringste Qualitäts-Diskussion hätte in den Staaten verheerende Folgen. Man darf nicht vergessen: Zu Zeiten der Hippie-Bewegung Anfang der 70er Jahre war VW schon einmal mit Käfer und VW Bus richtig groß in Amerika im Geschäft. Es gab auch ein Werk in den Staaten, dann kam der bei US-Käufern ungeliebte Golf namens Rabbit, die Qualität ging den Bach runter und Fehlentscheidungen wurden nicht korrigiert. VW schloss das Werk und die Verkäufe schrumpften dramatisch. Eben alles nach dem Motto: Wer schnell aufsteigt, kann auch wieder ganz schnell fallen.



