Focus: „Autor reiste auf Einladung des Herstellers.“
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Völlig neue Töne nach Automobil-Präsentationen. Die Reisen zu den exotischen Presse-Veranstaltungen sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Ist zum Beispiel ein Tag in Miami Lust oder Last?
Was steht da unter dem Schluss einer Geschichte über die statische Präsentation des neuen Audi A8 in Miami (Focus online: „Audi klotzt der Krise“)? „Der Autor reiste auf Einladung des Herstellers.“ Was ist das denn? Soll das die Entschuldigung dafür sein, dass der neue Luxusklasse-Audi in der Besprechung so gut wegkommt? Oder will die Redaktion genau das Gegenteil bewirken und sagen: Wir bekennen uns. Wir stehen dazu. Anders ging es ja nicht.

Präsentation des neuen Audi A8 auf der Kunstmesse Art Basel in Miami – hier steht er im „Wohnzimmer“.
Die Diskussion ist alt und hat hierzulande vor Jahren schon mal eine gemeinsame Protestaktion von Tageszeitungs-Chefs auf den Plan gerufen. Es ging darum, sich dagegen aufzulehnen, dass die trickreichen Autohersteller die Berichterstatter durch Reisen an exotische Orte gefügig machen für wohlgefällige Berichterstattung. Warum, fragten sie, muss z. B. ein deutscher Journalist nach Amerika fliegen, um dort die Premiere eines deutschen Autos zu erleben. Kostet nur Zeit und beeinträchtigt im Zweifelsfall die Neutralität unserer Redaktionsmitglieder.
Mal abgesehen davon, dass es keinen Ort auf der Welt gibt, zu dem nicht irgendein Journalist aus irgendeinem abgelegenen Land um den halben Globus fliegen muss, um sich ein neues Auto vorführen zu lassen. Automobil-Pressevorstellungen sind nun mal im Zeitalter der Globalisierung immer öfter als internationale Präsentationen konzipiert. Und mal abgesehen davon, dass der Forderung, man möge das Auto dort präsentieren, wo es gebaut wird, viel häufiger entsprochen wird, als man glauben mag – große Hersteller bauen ihre Autos nun mal dort auf der Welt, wo sie gekauft werden.
Ganz davon abgesehen. Das mit den exotischen Präsentations-Plätzen ist heutzutage nämlich auch so eine Sache. Heute ist die Reiserei aus der Sicht des Auto-Herstellers eher schon kontraproduktiv: Journalisten reagieren verständlicherweise mürrisch, wenn sie für eine rein statische, also noch nicht einmal eine Fahr-Präsentation zweimal acht Stunden im Flieger sitzen müssen. Insofern ist der Hinweis am Ende der eingangs erwähnten Geschichte vielleicht sogar eher so zu verstehen: Wenn Ihnen, lieber Leser, die Beurteilung zu böse erscheint – bitte bedenken Sie, der Autor ist durch die anstrengende und unergiebige Presseveranstaltung ein wenig negativ vorgespannt.



