Bernhard als neuer Mercedes-Chef? Braucht Zetsche mehr Zeit für den Konzern?
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Rainer Schmückle geht, Wolfgang Bernhard – einst James Benz genannt – steigt auf, und dann auch noch gleich in den Vorstand. Dieter Zetsche holt seinen alten Chrysler-Kollegen wieder in die erste Reihe beim Daimler.

Rainer Schmückle geht: Er trug die Verantwortung für Produktion und Einkauf von Mercedes-Benz, „jetzt werden Gespräche geführt“.
„Mitten in der Krise lässt Konzernchef Dieter Zetsche einen seiner wichtigsten Leute gehen. Mercedes-Vize Rainer Schmückle verlässt das Unternehmen. Der Konzern hat einen Bericht des manager magazins bestätigt, wonach Transporterchef Wolfgang Bernhard nun Schmückles Position einnehmen wird. Bernhard soll auch in den Konzernvorstand aufsteigen.“ So vermeldet das „manager magazin“ am Freitag und kurze Zeit später bestätigt Daimler mit einer knappen Pressemitteilung. Es heißt u.a.: „Mit Rainer Schmückle, derzeit verantwortlich für Produktion und Einkauf von Mercedes-Benz, werden Gespräche geführt.“ Im Klartext: Die Entscheidung ist gefallen, es geht noch um die Abfindung.
Wolfgang Bernhard, 49, der smarte Car-Guy und Sanierer, der bereits 2004 kurz davor stand, Mercedes-Chef zu werden, erhält nun seine zweite Chance. Sein schneidiges Auftreten und gutes Aussehen brachten ihm schon damals den Spitznamen „James Benz“ ein, analog zu James Bond, der auch stets kommt, sieht und siegt. Doch Bernhard siegte damals nicht. Nach Ärger mit Konzern-Boss Schrempp und Spannungen mit den Arbeitnehmervertretern verließ er den Konzern im Streit. 2005 wurde er Markenchef VW, ging aber auch dort, in dem Moment, als Martin Winterkorn zum Vorstandschef berufen wurde. Als Berater beim US-Finanzinvestor Cerberus begleitete er die Chrysler-Übernahme und Anfang 2009 heuerte er erneut beim Daimler an, als Leiter der Mercedes-Benz Transporter-Sparte. Eine schöne Aufgabe, aber eigentlich zu wenig für den gebürtigen Schwaben, so unkten schon damals die Medien. Nach der neuesten Entscheidung wird ein Schuh draus. Daimler Konzern-Chef Dieter Zetsche hat wieder seinen alten „Ausputzer“ aus harten Chrysler-Zeiten direkt an seiner Seite. Man erinnere sich: Von 2000 bis 2004 arbeiteten die beiden Hand in Hand, um Chrysler zu retten und Schrempps kranken Fusions-Traum zum Weltkonzern zu formen.

Sanierer, Car-Guy, „James Benz“, Schwabe und „langjährige Arbeitsbeziehung mit Dieter Zetsche“: Wolfgang Bernhard hat Spitznamen und Kontakte im Gepäck auf seiner Reise in den Vorstand.
Die Erweiterung des Vorstands und der Aufstieg von Bernhard kommen zwar in stürmischen Zeiten, doch möglicherweise genau richtig, damit Dieter Zetsche mehr Zeit für den Konzern gewinnt. Zwar firmiert er jetzt weiterhin als Konzern- und Mercedes-Chef in Personalunion, aber wer weiß wie lange noch? Bernhard wurde laut Medienberichten in letzter Zeit auffallend oft im Mercedes Pkw-Design gesehen, da hat er beim Betrachten zukünftiger Modelle vielleicht nicht nur an seine neue Aufgabe als Produktions- und Einkaufs-Chef gedacht. Es ist also gut möglich, dass er schon bald als Mister „James Benz“ im SLS AMG zusammen mit Schumi im Formel-1-Fahrerlager vorfährt. Übrigens: Rainer Schmückle soll erst kürzlich ein Angebot, die Opel Spitze zu übernehmen, abgelehnt haben. Bei Mercedes war er zuletzt laut Medienberichten durch „undiplomatisches Auftreten“ aufgefallen. So ein Pech, denn undiplomatischer als Nick Reilly wäre er bei Opel bestimmt nicht gestartet.


