BMW Oracle gewinnt America’s Cup: Regatta-Einsatz passt perfekt zum Thema Nachhaltigkeit
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Zwei Hightech-Riesen kreuzen mit Highspeed durch’s Mittelmeer. Der Herausforderer siegt. Clever nutzt BMW das Spektakel um den Gewinn der ältesten Sporttrophäe der Welt für seine modernen Botschaften.
Die Hardcore-Fans der Marke BMW hatten kein Verständnis dafür: Die Formel 1 wird gekippt, aber das sündteure Abenteuer America’s Cup wird weiterbetrieben. Wie geht das zusammen? Jetzt – nachdem der Hightech-Trimaran so überlegen den Cup gewonnen hat, könnten die Verantwortlichen leicht sagen: Seht ihr, es hat sich gelohnt. Aber das wäre nur die halbe Wahrheit. Sicher, eine – neuerliche – Niederlage wäre bitter gewesen. Auch für BMW, denn der Anteil der Münchner am Erfolg beschränkt sich längst nicht nur auf die Finanzierung. In dieser Yacht der Superlative steckt unendlich viel Know-how aus dem BMW Forschungszentrum. Und damit lässt sich trefflich kommunizieren.
Genau auf der Wellenlänge, auf der das Unternehmen seit einem knappen Jahr seine Botschaften heraustrommelt: Freude einerseits, effiziente Dynamik auf der anderen Seite. Die Schlagzeile der zum Sieg geschalteten Tageszeitungs-Anzeigen drängt sich mit genau diesem Zusammenhang förmlich auf: „Freude hat immer Rückenwind.“ Welch treffendes Wortspiel zum Bild des perfekt ausbalancierten Riesenschiffs für deutsche Ingenieurs-Leistung.





“Passt perfekt zum Thema Nachhaltigkeit?” Hallo? Publiziert Ihr jetzt auch schon PR-Stories oder war da jemand auf einer Marketing-politischen Aschermittwochs-Veranstaltung?
Was, bitteschön, hat es mit Nachhaltigkeit zu tun, wenn zwei profilierungssüchtige Egomanen in zwei Hoppla-Hopp-Sprintwettfahrten unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit eine halbe Milliarde Dollar (bescheiden geschätzt) unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit im Mittelmeer versenken – und sich Herr Ellison diesen bizarren Spaß auch noch von BMW mit entwickeln und finanzieren lässt? Landratten und Motorbootfahrer werden diesem traurigen Spektakel nicht viel abgewinnen können – und den meisten Seglern ist es auch ziemlich schnurz, ob zwei Rümpfe schneller sind als drei, einer reicht eigentlich völlig aus. Und für die “deutsche Ingenieursleistung ist es ein Armutszeugnis, wenn diese aufwendigen Monster ab Windstärke vier nicht mehr seetauglich sind. Und den Claim “Freude hat immer Rückenwind” hat garantiert ein blutarmer Copywriter getextet, der Segelboote nur aus der Badewanne kennt. Rückenwind ist nun wirklich das Langweiligste beim Segeln.
Ceterum censeo catamaranem esse delendam! Trimarane sowieso!
Lieber Archie, verwechseln Sie hier nicht Berichterstatter und Akteure? Wir machen keine PR, sondern kommentieren, was so passiert. Es ging doch nicht darum, zu sagen, wie toll das ganze Spektakel ist. Vielmehr sollte aufgezeigt werden, wie ein Großkonzern mit neuen Botschaften umgeht. Es ist doch in der Tat bemerkenswert mitzuerleben, wie BMW möglichst wirkungsvoll an den Stellschrauben des Images dreht. Freude am Fahren (nur noch) im vertretbaren Rahmen von effizienter Dynamik, Geld sparen und Krawall der Formel 1 vermeiden und Rennsport mit regenerierender Energie. Ob ihnen das jemand abnimmt, ist jedermanns eigene Sache. Aber allemal interessant zu beobachten, wie sie es angehen. Vor Gericht heißt es: Audiatur et altera pars.