DS steht für Anti-Retro und Rallye-WM – wohin flitzen die kleinen Götter?
Kein Kommentar
729 views
Citroën erfindet sich neu, so hieß es Anfang 2009, als die Idee von der Sub-Brand DS die Runde machte. Da war die Rede von Edelmodellen mit Eleganz und Kreativität. Heute sieht die Realität viel nüchterner aus: Der poppige DS3 ist ein sportlicherer Citroën C3 mit zwei Türen.

Citroën DS3: ein flotter MINI Wettbewerber mit zweifarbiger Lackierung und B-Säule als Haifischflosse
Rückblende: 1955 präsentierte Citroën den DS, eine stromlinienförmige Limousine, die für die damalige Zeit optisch wie technisch so revolutionär war, dass der Wagen wie ein Ufo direkt aus der galaktischen Zukunft zu kommen schien. „Die DS“ – der Wagen erhielt unter Fans den Namen „Göttin“ (französisch: La Deesse) – definierte für Citroën ein neues Image: Genialität und Avantgarde manifestierten sich in der hydropneumatischen Federung, die die Göttin scheinbar schweben ließ und später in dem wegweisenden Kurvenlicht. DS, das stand immer für Stil, Klasse, Komfort und das gewisse Extra. Gepaart mit damals modernster Technik: Frontantrieb, Scheibenbremsen, Gürtelreifen und gezieltem Leichtbau. So waren beispielsweise das Dach der DS aus Kunststoff (GFK) und die Motorhaube aus Aluminium.

Citroën DS: Die Göttin ganz in Weiß. Ruhe, Stil und auch Eigensinn kann man diesem Auto zuschreiben.
Citroën-Insidern, Old- und Youngtimer-Freunden geht der Name DS auch heute noch mit einem sanften Lächeln über die Lippen. Doch viele junge Klein- und Kompaktwagen-Käufer wissen nichts mehr von diesen glorreichen Zeiten.
Nun haben die Markenwächter in Paris entschieden, unter dem Namen DS eine ganze Familie innovativer Autos auf die Räder zu stellen. Der erste Streich ist der Citroën DS3. Ein durchaus gelungener Kleinwagen, den Citroën sogar Stadtcoupé nennt. Die Rede ist auch von Anti-Retro. Allerdings kann er den DS Nimbus nur eingeschränkt verkörpern, denn er „verzichtet ganz auf technische Extravaganzen“, so ordnet zumindest „auto, motor und sport“ den DS3 in der aktuellen Ausgabe 6/2010 ein. Als zweitürige Variante des Citroën C3 ist der kleine DS rund sieben Zentimeter flacher und wirkt speziell in zweifarbiger Lackierung viel frischer und dynamischer. Keck wie eine Haifischflosse streckt sich die B-Säule optisch gekappt zum Dach.
Wer dem Prospekt und der Preisliste den hohen Grad an Individualisierungs-Möglichkeiten und die Zahl der Farbkombinationen (fast 40) entnimmt, der merkt schnell, dass es der DS3 auf den erfolgreichen Stadtflitzer MINI von BMW abgesehen hat. Kein Wunder, er nutzt sogar die gleichen Motoren aus dem PSA-Konzern. Als 156 PS starker DS3 THP 150 beschleunigt der Fronttriebler in 8,1 Sekunden auf 100 km/h und läuft bis zu 214 km/h schnell, damit hat er allerdings alles DS-typische Gleiten weit hinter sich gelassen. Dynamik scheint heute gefragter zu sein als Stil und gepflegter Auftritt. Auf den neuen DS Charakter angesprochen, erklärt ein Citroën-Manager, dass DS heute vor allem für eine Andersartigkeit stehe, aber keinesfalls für eine Wiederbelebung der alten Tugenden, denn die passten nicht mehr in die Zeit. Uuups, schade.
Keine Frage, der DS3 wird seinen Weg machen. Im „auto, motor und sport“-Test erhält er vier Sterne von maximal fünf. Und der Autor Sebastian Renz rechnet vor, dass der DS3 bei vergleichbarem Raumangebot wie ein MINI Clubman mindestens 5.000 Euro günstiger ist. O.k., aber der DS3 ist auch rund 1.000 Euro teurer als der größere C3. Renz: „Das Zeug zur Legende hat der DS3 zwar nicht, ist aber eine erfreuliche, dynamische und alltagstaugliche Alternative zu anderen Edel-Minis.“ Zwar taucht bei Citroën der allseits bemühte Begriff Premium nicht auf, aber dennoch wird es der DS3 ab Sommer auch mit dem Audi A1 aufnehmen müssen.

Citroën DS3 Racing: Rallye-Basis-Fahrzeug mit 200 PS – Sporteinsätze sollen Dynamik vermitteln. Passt das zu Citroën DS?
unAUTOdox: Der DS3 passt in die Zeit. Krise und Downsizing-Gedanken bringen Kunden verstärkt zu kleinen, aber hochwertigen Autos. Dennoch, der große Modellname DS hatte mehr verdient. Zumal jetzt die Gefahr droht, dass Citroën alles Neue und vermeintlich Tolle unter diesem Dach zusammenwirft. Ein erstes Anzeichen dafür ist der DS3 Racing, der als 1.000-Einheiten-Serie mit 200 PS als Basis-Fahrzeug für die Rallye-WM 2011 herhalten soll. O.k., auch die alte DS fuhr Erfolge im Rallyesport ein (Sieg Rallye Monte Carlo 1959 und 1966), aber für die Sportlichkeit des DS3 hätte auch ein Markenpokal à la MINI gereicht. Vielleicht hätte Citroën sogar besser jegliche Sportlichkeit beiseitegelassen und sich auf wahre DS-Werte besonnen. Sportlichkeit können nämlich Audi und BMW schon sehr gut, möglichweise ist auf diesem Feld in den Köpfen der Kunden nichts mehr zu gewinnen.

Studie DS High Rider: Wird in Genf präsentiert und kommt zum Jahresende als DS4. Erhöhte Bodenfreiheit wozu?
Ein weiteres Indiz für eine zumindest irritierende DS-Definition ist die Studie DS High Rider. Der Zweitürer nutzt das Format des Citroën C4 und soll als DS4 zum Jahresende Realität werden. Neben dem Diesel-Hybrid-Antrieb (nur in der Studie) ist die erhöhte Bodenfreiheit das Besondere. Ob die Fahrzeughöhe den Einstieg erleichtern soll oder ob hier ein SUV-Coupé im C-Segment-Format entsteht, verrät Citroën noch nicht. Stattdessen versprechen die Macher wie so oft „Fahrvergnügen und neue Technik.“



