Audi und Porsche – Konzern-Duell oder friedliche Koexistenz?
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Audi strebt nach Sportlichkeit. Der neue R8 Spyder zielt exakt gegen das Porsche Turbo Cabrio. Porsche dagegen sucht soziale Akzeptanz, pusht die Hybrid-Technik und erklärt, dass Höchstleistung und Effizienz zusammengehören.
Vorsprung durch Technik! Vorsprung durch Technik? Immer noch klafft zwischen Audi und den Konkurrenten Mercedes, BMW und Porsche eine Imagelücke, so sehen es zumindest einige Medien. Die renommierte Tageszeitung „Die Welt“ formuliert in ihrer Ausgabe vom 13. März so: „Quattro hin oder her, Audi ist eine Frontantriebsmarke, und wahre Sportwagen haben Heckantrieb […]“. Genau das ist der Grund, warum Audi mit dem Sportwagen R8 (serienmäßig mit quattro) versucht, das Marken-Image weiter zu schärfen. Zum Trost verkündet dann „Die Welt“, dass Audi mit dem Erfolg der R8-Baureihe zufrieden sein könne.
2009 brachte Audi in Deutschland knapp 800 der R8-Mittelmotor-Sportwagen auf die Straße. Porsche konnte dagegen 3.295 der verschiedenen Carrera 911-Typen absetzen. Der neueste Audi R8 heißt Spyder 5.2, besitzt ein Stoffverdeck und hinter den Sitzen einen V10-Mittelmotor mit 525 PS. Er zielt auf das Porsche Turbo S Cabrio, das frisch mit 530 PS vorgestellt wurde.

Rot, stark und offen – der R8 Spyder während der Pressepräsentation an der Cote d‘Azur auf der D 6098 zwischen Antibes und Cagnes sur Mer, im Hintergrund die schneebedeckten Seealpen
Coupé- und Spyder-Karosserie des R8 stimmen zu 70 Prozent überein. Wie hoch der technische Gleichteile-Satz zwischen R8 und Lamborghini Gallardo ist, davon spricht man jedoch nicht gerne in Ingolstadt. Fest steht, gäbe es den Gallardo nicht, hätte es auch Audis sportliche Speerspitze im Programm nie gegeben.
Der R8 Spyder kommt bislang in den Medien gut weg. „auto, motor und sport“ urteilt in Ausgabe 7/2010: „Insgesamt gelingt dem R8 Spyder gekonnt der Spagat aus mediterraner Mittelmotor-Exotik und teutonischer Perfektion bis ins Detail.“ An gleicher Stelle war allerdings auch von „leichten Stößen bis in die Lenkung“ die Rede. „Auto Bild“ beschreibt den R8 in Ausgabe 10/2010 mit viel Begeisterung, sagt allerdings zum Fahrverhalten: „Virtuoses Können ist also nicht nötig, um mit diesem Brachial-Audi schnell zu sein. Wer im Golf GTI klarkommt, hat auch im R8 nichts zu fürchten.“
Lob oder Verriss? Wer möchte schon für über 150.000 Euro einen Sportwagen, der so harmlos ist wie ein Golf? Perfektion ist nicht alles. Vielleicht muss Audi seinen Speer noch mehr anspitzen? (Es gibt schon Gerüchte über einen hochgezüchteten Leichtbau R8 ausschließlich mit Hinterradantrieb – übrigens: eine Lambo Gallardo-Sonderserie mit diesem Antriebsprinzip gab es ebenfalls schon.)
Beispiel Porsche: Der 911 bezieht Nimbus, Reiz und Charakter immer noch aus den frühen Jahren, als er bös und hecklastig war. Er galt als schwer beherrschbares Männer-Auto. Auch wenn heute mit ESP (PSM) und grandioser Weiterentwicklung vieles einfacher und besser geworden ist, der 911 bemüht sich immer noch, ein 911 zu sein, und das ist gut so. Aber ebenso wie Audi noch ein wenig am „braven“ Image krankt, könnte zukünftig für Porsche allein das „böse“ Image schädlich sein. Deshalb erklärt Porsche-Chef Michael Macht: „[…] wenn Porsche eine Zukunft haben will, müssen unsere Produkte sozial akzeptiert sein“. Ein erster Schritt ist bereits getan.
Der in manchen Stadtteilen leicht entzündliche Cayenne erhält einen Nachfolger, der rund 200 Kilo leichter ist und weniger verbrauchen wird. Und es kommt eine Hybrid-Version. Ein Rennwagen mit Hybrid ist ebenfalls in der Entwicklung und die Hybrid-Studie 918 könnte auch in zwei Jahren marktreif sein. Es scheint so, als wolle Porsche mit einem Hybrid-Hype seine Seele reinwaschen. Doch wenn Porsche der Saubermann im VW-Konzern wird, wie sehen dann die anderen Marken aus? Hier wird offenbar, dass Marken-Positionierung und Abgrenzung im VW-Konzern zukünftig durchaus mehr als nur einen schlauen Kopf beschäftigen könnten.





