Jaguar Zukunft: mit XF und XJ auf Anti-Retro-Kurs – aber wohin genau?
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Jaguar bringt nach dem coupéartigen XF auch die neue Oberklasse-Limousine XJ im Fastback-Look – Schluss mit Nostalgie und Retro. Ist der neue Jaguar-Kurs wirklich klar? Und wohin führt er?

Jaguar XJ: Anders als alle XJs zuvor, die neue Linie hat Coupé-Anmutung – ganz anders als S-Klasse und BMW 7er, nur so kann Jaguar eine neue Identität finden.
„Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.“ Das soll im Mittelalter der englische Politiker Thomas Morus gesagt haben. Es scheint so, als habe sich Jaguar viel zu lange um die Asche gekümmert. Selbst Jaguar-Chef Mike O’Driscoll spart nicht mit Selbstkritik und erklärt während der Präsentation des neuen XJ: „Wir haben viel zu lange in den Rückspiegel geschaut und dabei bisweilen den Blick nach vorn vergessen.“ Damit meint er vor allem die aus Retro und Moderne gemischte Produktpalette, die bis vor kurzem bei den Händlern stand. Doch seit dem Erscheinen des neuen XJ ist endlich klar, dass die vom Jaguar XF vor zwei Jahren vorgegebene Richtung ernst gemeint ist und in die Zukunft führen soll.
Wenn also ab 25. Mai das neue Flaggschiff im Handel startet, dann wenden sich die Briten damit auch vielen neuen Perspektiven und unkonventionellem Design zu. Sie nehmen bewusst in Kauf, dass die neue Oberklasse-Limousine Kunden überrascht und manche sogar erschreckt. Jaguar Designchef Ian Callum schuf eine Form, die sich mit ihrer fließenden Coupé-Linie mehr am Maserati Quattroporte oder Porsche Panamera orientiert als an der Mercedes S-Klasse oder dem BMW 7er.

Der alte XJ mit den vergrößerten und nicht gerade schönen Stoßfänger-Schürzen: Diese unter Ford-Regie verschlimmbesserte Form war einfach am Ende.
Über den großen Design-Sprung freut sich auch Jaguar-Deutschland-Chef Peter Modelhart: „Jetzt sieht man wenigstens, dass wir ein neues Auto haben. So werden Jaguar endlich wieder entsprechend wahrgenommen.“ Bei aller Modernität, in Sachen alternativer Antriebe ist der britische Hersteller, der wie Land Rover zum indischen Tata-Konzern gehört, noch ein wenig zurück. Start-Stopp-Automatik oder Hybrid-Komponenten wird es frühestens in zwei Jahren geben.
Jaguar wähnt sich zwar mit dem XJ wieder auf einem Niveau mit den deutschen Luxusmodellen, doch die Bodenhaftung verloren haben die Briten zum Glück nicht. „Ein Jaguar ist immer auch ein exklusives Vergnügen“, erklärt Deutschlandchef Peter Modelhart und denkt nicht an ein Verkaufs-Duell mit S-Klasse, Siebener oder Audi A8. Während die deutschen Luxuslimousinen in guten Jahren in fünfstelliger Stückzahl verkauft werden, schaffte der alte, traditionelle XJ zu seiner besten Zeit nur etwa 600 bis 700 Zulassungen, sagt Modelhart. „Wenn wir das wieder erreichen, dann bin ich schon zufrieden.“

Purer Retro-Look: Auch der XF-Vorgänger Jaguar S-Type führte in eine Sackgasse – erst der XF als „erster neuer Jag“ schaffte dann vor zwei Jahren den Sprung nach vorn.
Grund für die ausgeprägte Bescheidenheit ist sicher auch der ungünstige Zeitpunkt für den Marktstart der neuen XJ-Generation: Ausgerechnet im Folgejahr der Krise bringt Jaguar mit dem XJ eine 5,12 Meter lange Limousine, die als V6-Diesel mit einem Einstiegspreis von 76.900 Euro beginnt. Die V8-Benziner liegen noch deutlich darüber und das alles in Zeiten, wo immer mehr von Modell-Downsizing gesprochen wird.
unAUTOdox.de: Jaguar bewegt sich und das ist gut so. Die neue Design-Linie hat was, speziell die Front von XF und XJ wirkt kraftvoll und präsent. Dass der auf dem Ford Mondeo basierende Jaguar X-Type wegen Erfolglosigkeit in der hart umkämpften Mittelklasse ohne Nachfolger bleibt, ist bereits beschlossene Sache. Ohne kleineres Einstiegsmodell wird Jaguar dann wieder fast so elitär und exklusiv wie Porsche.

Jerry Cotton setzt immer noch auf Jaguar: Beim Sponsoring und Movie-Placement bedient sich Jaguar seiner Historie in Gestalt eines roten E-Type.
Schon denken die Briten über einen künftigen Supersportler weit über den XK-Modellen nach. Doch die Herausforderungen sind auch im Verbund mit Land Rover unter dem Tata-Dach erdrückend. Senkung des Flottenverbrauchs, neue Emissionsvorschriften und noch anspruchsvollere Sicherheitsnormen, da gilt es, viel Geld in die Hand zu nehmen, um zukunftsfähig zu bleiben.


