car2go: Daimler macht Ernst mit urbaner Mobilität
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Einfach ein Auto vom Straßenrand nehmen und in der City herumbrausen. Eine verlockende Idee. Die Daimler-Tochter car2go GmbH macht’s möglich. Und eröffnet ein neues Geschäftsfeld.

Car2go-Geschäftsführer Robert Henrich: Auch wenn die Daimler-Tochter ihren Sitz in Ulm hat, warten auf ihn nun internationale Aufgaben.
Die Idee ist so ganz neu nicht, Uhrenmogul Nicolas Hayek hatte sie damals schon, als er den Swatch-Smart aus dem Hut zauberte. Aber es hat erst jetzt den Anschein, dass sie erstmals großflächig umgesetzt wird: Der Stuttgarter Autohersteller Daimler hat nach einer erfolgreichen Pilotphase in Ulm entschieden, das urbane Mobilitätskonzept car2go weltweit anzubieten und damit ein neues Geschäftsfeld zu starten. Dazu haben die Schwaben die Tochter car2go GmbH gegründet.
Was steckt dahinter? Da ist zum einen die Frage urbaner Mobilität, an deren Beantwortung dringender Bedarf besteht und der derzeit nicht annähernd befriedigt wird. Da ist zum anderen der Wunsch – und die Notwendigkeit – der Automobilhersteller, sich für zusätzliche Business Cases zu öffnen. Denn keiner weiß genau, wohin die zukünftige Reise der klassischen Autobranche gehen wird. Da lohnt es sich, ein neues Standbein aufzubauen. Nach dem Motto: Autos bauen ist unsere Kernkompetenz, aber warum sollten wir sie nicht direkt vermieten, anstatt sie den Autovermietern zu verleasen. In Verbindung mit dem hauptsächlich als City-Flitzer konzipierten Smart macht das durchaus Sinn. Also: System Coffee to go, kombiniert mit einem Vertriebsangebot à la Telefonvertrag oder Call a bike nach Vorbild der Deutschen Bahn und einem Netz von Smarts – fertig ist das Konzept für City-Mobilität.

Foto mit Seltenheitswert: In der Car-Sharing-Praxis sind die Smarties bunt in der ganzen Stadt verteilt – fast so wie früher mal Telefonzellen.
Wie funktioniert das Ganze? Eine umfangreiche Smart-Flotte wird großflächig über eine Großstadt verteilt – in Parkhäusern, einfach am Straßenrand, wie es sich ergibt. Der Kunde lässt sich einmalig registrieren, bekommt einen Chip und kann in Zukunft mit dem darauf befindlichen Code Zugriff auf jedes verfügbare Wägelchen nehmen. Den Schüssel findet er im Handschuhfach und schon kann’s losgehen. Abgerechnet wird ohne Grundgebühr pro Minute, für einen ganzen Tag fallen knapp 50 Euro an. Und man lässt den Wagen nach Gebrauch stehen, wo es einem passt (und wo’s erlaubt ist, versteht sich). Ein wirklich attraktiver Gedanke. Irgendwo ankommen, sich um nichts kümmern – da steht ein solcher Smart, und ab geht’s.
Die von der Daimler-Tochter car2go GmbH vorgelegten Zahlen aus dem einjährigen Pilotlauf in Ulm sind ebenso eindrucksvoll wie vielversprechend: 18.000 registrierte Kunden, 235.000 Ausleihen. Aufschlussreiche Zahlen am Rande: durchschnittliche Nutzung 20 bis 60 Minuten, durchschnittliche Fahrleistung 15 Kilometer.
Und das ist der Plan: Peu à peu sollen ausgewählte Ballungszentren bedient werden – erster Schritt: car2go startet noch in diesem Jahr in einer europäischen Großstadt.


